Unsere Musik

 

 

Gibt es so etwas wie eine spezifisch kölsche Blasmusik? - Wir sind der Meinung: Ja, es gibt sie!

 

Selbstverständlich liegt es nahe, diese kölsche Form der Blasmusik im Bereich des Kölner Karnevals zu suchen. Die kölsche Karnevalsmusik verfügt seit mittlerweile 120 Jahren über eine große Konstante: Besonders erfolgreich waren und sind besonders jene Lieder, die sich mit dem kölschen Leben und den Alltagsgeschichten der Kölner Bevölkerung befassen. Es sind Lieder, in denen sich jeder ein Stück weit wiedererkennen kann. Was auf den ersten Blick reine Karnevalsmusik zu sein scheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als viel mehr. Denn viele der Lieder haben inhaltlich überhaupt keinen direkten Bezug zum Karneval und man kann sie das ganze Jahr über hören und singen. Sie beschreiben einen ganzjährigen Kölner Alltag mit liebevollen Details und manchmal skurrilen Eigenheiten. Der Fachmann nennt diese Liedform "Milieubeschreibungen", die Kölner nennen sie schlicht "Krätzchen".

 

 

 

 

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren es zunächst ausgerechnet die preußischen Militärkapellmeister, die mit selbstkomponierten Büttenmärschen und ersten Gassenhauern eine eigenständige Form der kölschen Karnevals-Blasmusik entwickelten. Besonders Reinhold Fellenberg schenkte dem Kölner Karneval Melodien, die bis heute populär sind. Zum Beginn des 20. Jahrhunderts folgten ihm die Kapellmeister der Kölner Zivilkapellen, allen voran Fritz Hannemann. Er legte nicht nur den Grundstein für das heute bestehende Notenarchiv der Stadtkapelle, er komponierte über Jahrzehnte für verschiedene Künstler im Karneval, vom einfachen Krätzchen, das die modernen Zeitumstände kommentiert bis hin zur kompletten Karnevals-Revue. Neben Fritz Hannemann verstand es besonders Heinrich Frantzen, die Lieder der Kölner Krätzchensänger einzufangen und in hervorragenden Konzertwerken zu verarbeiten. Weitere Komponisten, deren Titel heute noch populär sind, waren Emil Palm und Hans Otten. Die Tradition der Krätzchen-Komponisten setzte sich bis in die heutige Zeit in den Werken des 2011 verstorbenen Komponisten Hans Knipp fort, dessen Lieder vor allem von den "Bläck Fööss" vorgetragen wurden.

 

Neben den Liedern der Krätzchensänger prägten seit Ende des 19. Jahrhunderts auch die Märsche und Tänze der Kölner Traditionskorps, deren Auftreten stets als Persiflage auf den preußischen Militarismus zu verstehen ist, die Musik des Kölner Karnevals.

 

 

 

 

 

 

Willi Ostermann und Gerhard Ebeler prägten als Sänger diese Art des kölschen Liedes. Ihnen folgten weitere Interpreten wie Karl Berbuer, Jupp Schmitz, Toni Steingass und Ludwig Sebus. Besungen wurden Alltagssituationen wie die Ankunft des ersten Zeppelins in Köln, ein Kaminbrand in der Achterstraße, das unerwartete Durchbrennen der Frau Schmitz oder der pikante Fehltritt eines Hohenzollernprinzen mit einer kölschen Marktfrau. Die Krätzchen waren oft bissig, aber nie verletzend.

 

Die Begleitung der Krätzchensänger durch eine Blasmusikkapelle war von Anfang an die gängige Aufführungsform. Die Krätzchen eignen sich daher hervorragend für eine Interpretation durch Blasmusik und viele der Werke wurden sogar von vornherein für eine Aufführung durch eine Blaskapelle konzipiert. Denn diese Interpretationsform gibt der Musik nicht nur die typisch bodenständige Note, ein Vortrag durch Blasinstrumente erzeugt auch mehr Wärme und Kraft, teils feierlich, teils heroisch und oft sentimental. Dadurch werden Seele und Gemüt des Publikums einfacher erreicht und die ursprüngliche Intention des Textes noch zusätzlich verstärkt.

 

 

 

 

 

 

 

Die Stadtkapelle Köln setzt sich für diese traditionelle Aufführungsform der kölschen Krätzchen ein, sei es mit einem komplett besetzten Blasorchester in der Philharmonie oder mit einer kleinen Blaskapelle im eher familiären Umfeld eines Litewka- oder Senatsabends. Die Pflege und der Erhalt dieses traditionellen kölschen Kulturgutes ist eine der zentralen Aufgaben unserer Kapelle.

Im Notenarchiv der Stadtkapelle befinden sich neben den Krätzchen auch noch zahlreiche Konzertwerke, Tänze und Märsche von Kölner Komponisten und Arrangeuren, insgesamt über 1.200 Werke, von denen im Folgenden einige exemplarisch aufgeführt sind:

 

  Reinhold Fellenberg (1848 - 1912)

  • Funken-Marsch (1890) Trio-Ergänzung

  • Kölner Funken-Artillerie Marsch (1891)

  • Deutzer Kürassier Marsch (1900)

  • Karnevals-Marsch (1905)

  • Do ha´mer dä Rään, Opus 4711 (1906)

 

  Robert Fensch (1868 - 1914)

  • Leibmarsch der Prinzen-Garde (1914)

 

  Fritz Hannemann (1868 - 1938)

  • Karnevalsklänge (1924) Konzertpotpourri

  • Rheinischer Sang (1926) Konzertpotpourri

  • Kölsche Mädcher, kölsche Junge (1927)

  • Karnevalsmarsch (1928)

  • Aus Winkeln und Gassen (1928) Konzertpotpourri

 

  Willi Ostermann (1876 - 1936) und Emil Palm (1890 - 1963)

  • Kinddauf-Fess unger Krahnebäume (1909)

  • Et Schmitze Billa (1910)

  • Kut erop! (1929)

  • Rheinlandmädel (1929)

  • Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia (1930)

  • Einmal am Rhein (1930)

  • Die Mösch (1931)

  • Heimweh nach Köln (1936)

 

  Gerhard Ebeler (1877 - 1956) und Hans Otten (1905 - 1942)

  • Aber heut sind wir fidel (1928)

  • En d´r Höhnergass 204 (1930)

  • Du kannst nicht treu sein (1932)

 

  Heinrich Frantzen (1880 - 1953)

  • Fidele Altstädter (1924)

  • Der treue Husar (1925)

  • Heil der Zukunft (1925)

  • Köln aus Rand und Band (1926) Konzertpotpourri

  • Jan von Werth Marsch (1927)

  • Colonia Alaaf Marsch (1928)

  • Ostermänner (1928) Konzertpotpourri

  • Sprühendes Leben (1929) Galopp-Intermezzo

 

  Paul Mania (1883 - 1935)

  • Prinzen-Garde Marsch (1913)

 

  Otto Zeh (1898 - 1989)

  • Freundschaftsmarsch (1951)

  • Fanfaren der Freude (1953)

  • Mit Herz und Gemüth (1954)

 

  Christian Reuter (1899 - 1970)

  • Marsch der Ehrengarde der Stadt Köln (1929)

 

  Karl Berbuer (1900 - 1977)

  • Heidewitzka (1936)

  • Trizonesien-Lied (1948)

  • Un et Arnöldche fleut (1950)

 

  Jupp Schmitz (1901 - 1991)

  • Ming herrlich Kölle (1948)

  • Wer soll das bezahlen (1949)

  • Am Aschermittwoch (1953)

 

  Fritz Weber (1909 - 1984)

  • 1900 Johr (1950)

  • Der schmucke Prinz (1958)

  • Ich ben ene kölsche Jung (1963)

 

  Gerhard Jussenhoven (1911 - 2006)

  • Kornblumenblau (1937)

  • Die Hüssjer bunt om Aldermaat (1938)

  • Sag ens Blotwoosch (1948)

  • Dat Glockespill vum Rothuusturm (1954)

  • Man müsste nochmal 20 sein (1958)

 

  Toni Steingass (1921 - 1987)

  • Der schönste Platz (1950)

  • De Haupsach es, et Hätz es jot (1952)

 

  Günter Eilemann (1923 - 2015)

  • Vater ist der beste (1959)

  • Kamelle us Kölle (1983)

 

  Ludwig Sebus (geb. 1925)

  • Prinz, Bauer und Jungfrau (1971)

  • Et Rheinpanorama (1972)

 

  Hans Knipp (1946 - 2011)

  • Mer schenke der Ahl e paar Blömcher (1968)

  • Mer losse der Dom in Kölle (1973)

  • Ming eetste Fründin (1976)

  • Dat Wasser vun Kölle (1983)

  • Unser Stammbaum (2000)

 

 

 

    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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