Fritz Hannemann, Namensgeber und Initiator unserer Kapelle, galt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als produktivster Komponist und geschätzter Kapellmeister des Kölner Karnevals. Seine Kapelle nahm über Jahrzehnte hinweg den Spitzenplatz unter den Kölner Musikkapellen ein.
Ursprünglich aus dem westfälischen Herdecke stammend, kam Fritz Hannemann bereits als Jugendlicher nach Köln, wo er im Alter von 19 Jahren als Kornettist und Violonist in die Musikkapelle des 7. Artillerie-Regimentes eintrat. Als Korpsführer leitete er dabei regelmäßig die Zweitbesetzung des Musikkorps bei verschiedenen Karnevalssitzungen und hatte daher recht gute Beziehungen zu verschiedenen Kölner Sitzungspräsidenten.
Im Jahr 1893 nutzte Hannemann diese Beziehungen, um sich mit einer eigenen zivilen Musikkapelle selbständig zu machen, mit der er kurze Zeit später als Hauskapelle in den Victoriasaal an der Severinstraße, damals zweitgrößter Saal der Stadt nach dem Gürzenich, einzog. Dort musizierte das Hannemannsche Blasorchester nicht nur zur Karnevalszeit, sondern begeisterte das ganze Jahr über ihr Publikum, wobei sich die "Dienstags-Concert-Abende" einer ganz besonderen Beliebtheit erfreuten. Seine treue Zuhörerschaft schenkte dem Kapellmeister im August 1904 zur Erinnerung einen wertvollen silbernen Taktstock, welcher sich heute in der Ausstellung des Kölner Karnevalsmuseums befindet.
Bereits zur Kaiserzeit machte Fritz Hannemann auch mit eigenen Kompositionen auf sich aufmerksam. Einen von Oberbürgermeister Max Wallraf ausgelobten Kompositions-Wettbewerb für eine neue Kölnische Hymne konnte er erfolgreich für sich entscheiden. Darüber hinaus erschienen seine ersten Lieder im Karneval, wie der Klassiker "Dat eß der Jupp vum Kägelclub", ebenso die Schlager "Mer drinke nur noch Bottermilch" und "Äver noh´m Sambsdaach kütt dä Sunndaach!".
Mit seiner ausgezeichneten Musikkapelle konnte sich Fritz Hannemann schließlich gegen die bis dahin übermächtige Konkurrenz der preußischen Militärkapellen durchsetzen. So gelangte das Hannemannsche Blasorchester als erste Zivilkapelle an die Spitze eines Kölner Traditionskorps und stellte von 1912 bis in die 1930er Jahre die Regimentskapelle der Kölner Prinzen-Garde, eine Tradition welche Hannemanns Nachfolger Christian Reuter schließlich sogar noch bis in die 1970er Jahre fortsetzte.
Nach dem Ersten Weltkrieg kam Fritz Hannemanns schöpferisches Wirken zur vollen Entfaltung. Bereits im Jahr 1919 erschien die erste Karnevals-Revue „Jan nun Griet“, zu der Fritz Hannemann die Musik komponiert hatte. Es folgten jährlich neue Revuen. So komponierte Fritz Hannemann an die zwanzig vollständige Revuen welche Titel trugen wie "Mer sin vun Kölle am Rhing", "D´r Feldmarschall vum Kümpchenshof" oder "Kölle eyn Kroyn". Dabei arbeitete Hannemann besonders eng und erfolgreich mit den Künstlern Grete Fluss, Willi Ostermann und Hans Tobar zusammen.
Fritz Hannemann arrangierte ebenfalls mehrere hervorragende Konzertwerke für großes Blasorchester, wie die "Karnevalsklänge" oder "Willi Ostermanns Schlager-Potpourri". Beliebte deutsche Volkslieder fasste er im „Deutschen Sang“ zusammen. Der "Rheinische Sang" dagegen enthielt viele populäre Werke der Rheinromantik. Dieses Meisterstück erreichte internationale Bekanntheit und wurde sogar in Amerika von Musikkapellen aufgeführt.
Auch im Karneval konnte Fritz Hannemann einen Hit nach dem anderen landen und avancierte in den 1920er Jahren zum produktivsten Komponisten des Kölner Karnevals. Sein wohl beliebtester Klassiker ist das immer noch populäre Lied „Kölsche Mädcher, kölsche Junge, sin dem Herrgott jod jelunge!“, welches ebenfalls einer seiner Revuen entstammt. Sein „Karnevals-Marsch“ aus dem Jahr 1928 wird bis heute zum Einzug des Kölner Dreigestirns gespielt.
Fritz Hannemann gilt ebenso als Erfinder der modernen, schlagfertigen Sitzungskapelle im Kölner Karneval. Er begann als Kapellmeister die Pointen der Redner mit passenden, blitzschnell vorgetragenen musikalischen Kommentaren zu würzen. Auf diese Weise wurden die Redebeiträge aufgelockert und die gesamte Sitzung erhielt mehr Schwung. Hannemanns Schlagfertigkeit war dabei lange unerreicht: Betrat beispielswiese ein Redner mit Glatze die Bühne, stimmten seine Musiker sogleich die alte Weise „Der Mond ist aufgegangen“ an.
Im Jahr 1936 konnte Fritz Hannemann sein 50-jähriges Jubiläum als Musiker im Kölner Karneval feiern. Zu seinen Ehren richteten die Kölner Karnevalisten eine Jubiläums-Sitzung im Gürzenich aus und Fritz Hannemann wurde zum Ehrenmitglied des Festkomitees des Kölner Karnevals ernannt.
Fritz Hannemann starb am 5. Januar 1938. Sein Sohn und Trompeter Fritz Hannemann jr. und sein Korpsführer Fritz Roeseler sowie der neue Kapellmeister Christian Reuter führten die Kapelle weiter, die auch nach dem Tod ihres Gründers weiterhin dessen Namen trug. So waren es die „Hannemänner“ die im Herbst 1945, in der wohl dunkelsten Stunde unserer Heimatstadt, erneut die Kölsche Blasmusik zum Klingen brachten und kurz darauf gemeinsam mit den Roten Funken den Kölnern den Karneval zurückbrachten.
Der Krätzchensänger Karl Berbuer würdigte Fritz Hannemann in einer Zeile seines Liedes „Un et Arnöldche fleut“ mit den Worten, die bis heute Ansporn für unsere Kapelle sind: „D´r Hannemanns Fritz, der läht loss!“