Der Komponist und Kapellmeister Heinrich Frantzen ist bis heute der unbestrittene Kölner Marsch-König. Er schuf eine ganze Reihe von großartigen Marsch-Kompositionen, allen voran den bekannten Kölner National-Marsch "Der treue Husar".
Geboren am 1. Oktober 1880 in Köln, entstammte Heinrich Frantzen einer äußerst musikalischen Familie. Bereits sein Urahn Michael Frantzen war zur Mitte des 18. Jahrhunderts Musikmeister der alten Kölner Stadtkapelle gewesen. Heinrich Frantzens Vater war Pianist und Prokurist beim seinerzeit weltbekannten Klavierbau-Unternehmen Ibach, das in Köln eine Kunstschreinerei samt Verkaufslager unterhielt.
Mit 8 Jahren begann Heinrich Frantzen das Trompetespielen, schon mit 12 Jahren komponierte er seinen ersten eigenen Marsch, den "Treue-Freundschaft-Marsch". Von 1894 bis 1896 besuchte er das Kölner Konservatorium. Nach seinem erfolgreichen Abschluss erhielt er mit gerade 16 Jahren ein Engagement als erster Trompeter im Orchester des Kölner Scala-Theaters. Kurze Zeit später trat er als Militärmusiker in die Artillerie-Kapelle des "reitenden Mozart" Robert Fensch ein und erwarb sich dort einen hervorragenden Ruf als Piston-Virtuose. In Erinnerung an seine Militärzeit komponierte Frantzen später den grandiosen Bravour-Marsch "Forsche Reiter".
Nach Ableisten seines Militärdienstes gründete Heinrich Frantzen in Köln kurz nach der Jahrhundertwende ein eigenes ziviles Blasorchester, welches unter dem selbstbewussten Namen "Kölner Elite-Blasorchester" bekannt werden sollte. Mit dieser Kapelle konnte Frantzen im alten Weidenhof in der Budengasse seine ersten Erfolge feiern und beim Kölner Publikum seinen Ruf als ausgezeichneter Piston-Virtuose ausbauen. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Juli 1914 rückte Frantzen erneut als Militärmusiker ein. Im Verlauf des Krieges wurde ihm schließlich sogar die Leitung einer Militärkapelle übertragen. Dem damaligen Musikinspizienten Prof. Theodor Grawert widmete Frantzen in enger Verbundenheit den erstklassigen Marsch "Unsere Armeemusik".
Nach dem Krieg kehrte Heinrich Frantzen nach Köln zurück, wo er erneut als ziviler Kapellmeister in Erscheinung trat und nun auch verstärkt als Komponist wirkte. Für die Karnevals-Revuen der Nachkriegszeit, als der Sitzungs-Karneval noch verboten waren, komponierte er im Jahr 1921 das Intermezzo "Was ist denn mit der Paula los?". In den folgenden Jahren spielte er mit seiner Kapelle regelmäßig in den großen Kölner Unterhaltungslokalen Pschorrbräu und Burghof. Ebenso spielte das Orchester zu Konzerten in den vornehmen Kölner Gartenlokalen sowie in den Kursälen von Bad Godesberg, Bad Neuenahr und Bad Honnef, wobei seine meisterhaft vorgetragenen Piston-Soli stets der Höhepunkt der Veranstaltung waren.
Als Komponist war Heinrich Frantzen herausragend. Er zeichnete sich, neben seinen exzellenten Märschen, auch für eine ganze Reihe ausgezeichneter Konzertwerke verantwortlich. Ihm gelang es, die beliebten Krätzchen und Gassenhauer der Kölner Karnevalssänger einzufangen und in hervorragenden Konzertpotpourris zu verarbeiten. Das bekannteste dieser Werke ist "Köln aus Rand und Band". Überaus beliebt waren auch seine "Ostermänner", in denen er die großen Klassiker des kölschen Dichterkomponisten Willi Ostermann zum Klingen brachte.
Darüber hinaus komponierte Heinrich Frantzen Intermezzi, Fantasien, Charakterstücke und eben seine zahlreichen bekannten Karnevals- und Konzertmärsche. Mitten im Karnevalsverbot widmete er im Jahr 1923 dem Festkomitee einen Festmarsch zum 100-jährigen Jubiläum des Kölner Karnevals mit dem fordernden Titel "Mer welle Fastelovend hann". Ein Jahr später, noch unter dem Eindruck von Besatzung und den Wirren der Inflation, erschien sein brillanter und vor Optimismus strotzender "Zukunfts-Marsch".
In der Tradition von Petrowsky und Fellenberg widmete er der Großen Kölner Karnevalssgesellschaft in jedem Jahr einen neuen Büttenmarsch, wie etwa den "Colonia Alaaf-Marsch". Ebenso stammen viele Karnevalsschlager wie z.B. "Jetz weed op die Trumm jeklopp" und "Mer rigge met däm Esel op d´r Drachenfels" aus der Feder Heinrich Frantzens. Darüber hinaus adaptierte Heinrich Frantzen die Musik der Rheinromantik und schuf das beliebte Konzert-Potpourri "Rheinland-Klänge" und in seinen schneidigen "Rheinlieder-Marsch". Die Märsche der "Alten Armee" fasste Frantzen wiederum in dem gelungenen Konzert-Potpourri "Alte Deutsche Treue" zusammen. Dieses Stück fand, wie fast alle seine Werke, eine überregionale Verbreitung und wurde weit über die Grenzen Kölns hinaus bekannt.
Als sein wohl größtes Werk gilt jedoch zweifelsohne der bis heute populärste Kölner Marsch aller Zeiten "Der treue Husar", den er dem gleichnamigen Husarenkorps gewidmet hatte. Gleichwohl stammen auch die Märsche des Altstädter-Korps "Fidele Altstädter" und der "Jan von Werth-Marsch" von Heinrich Frantzen, darüber hinaus auch die Büttenmärsche der Fidelen Burggrafen, der Großen Mülheimer KG, der Kölnischen KG und der Godesberger KG. Eine Perle der kölschen Blasmusik ist sein "Einzugsmarsch für den Prinzen Karneval", in dem er die beliebte Weise "Wo mag er sein?" verarbeitet hat.
In der Ära der "Goldenen Zwanziger" von 1926 bis 1929 war Heinrich Frantzen neben Fritz Hannemann der maßgebende Komponist des Kölner Karnevals. Aber die Weltwirtschaftskrise von 1931/32, welche u.a. zu einer zweimalige Absage des Rosenmontagszuges führte, traf Heinrich Frantzen und seine Kapellen mit voller Wucht. Zum zweiten Mal nach 1918 musste Frantzen den völligen Zusammenbruch seiner Branche erleben. Er komponierte zunächst kein großes Orchesterwerk mehr und hatte in der Folgezeit allerhand Mühen, sein Orchester zusammen zu halten. Während der Zeit des Nationalsozialismus ereilten ihn weitere Schicksalsschläge: So wurde einer seiner Söhne im Rahmen der NS-Euthanasiegesetze als sogenannter "Nervenkranker" in eine der zentralen Tötungsanstalten transportiert und dort vergast. Im Oktober 1944 wurde Heinrich Frantzens Haus in der Pfälzer Straße bei einem Luftangriff völlig zerstört. Hierbei wurde ein Großteil seines privaten Notenarchivs unwiederbringlich vernichtet.
Aber Heinrich Frantzen gab nicht auf. Nach dem Krieg konnte er mit neuer Schöpfungskraft an seine Erfolge der 1920er anknüpfen. In enger Zusammenarbeit mit Toni Steingaß erschienen neue Schlager für den Kölner Karneval, wie der Klassiker "Jung dat häste jod jemat". Zudem arrangierte Frantzen viele Lieder und Märsche des Karnevals in bis heute unerreichter Form für Blasorchester.
Heinrich Frantzen verstarb am 13. Mai 1953 in Köln im Alter von 72 Jahren. Er hinterließ ein gewaltiges Erbe an ausgezeichneten Kompositionen und Arrangements, welche von der Stadtkapelle gepflegt und weiterhin aufgeführt werden. Denn für uns ist und bleibt Heinrich Frantzen der "Kölner Marsch-König"!