1893 - 1914

Die Rückkehr der Kölner Kapellen

 

Zum Ende des 19. Jahrhunderts bestanden in Köln neben den preußischen Militärkapellen auch einige Zivilkapellen, welche sich besonders zum Karneval hervortaten. Die Musikvereine "Arion" und "Ossian" waren aus Gesangvereinen hervorgegangen und finden sich seit ca. 1875 regelmäßig in der Aufstellung des Rosenmontagszuges. Etwas später kam noch das "Kölner Fachmusiker-Orchester" unter der Leitung von  Wilhelm Ludwig Süper, Urgroßvater der heutigen Karnevalslegende Hans Süper, hinzu. Allerdings standen die Zivilkapellen im Schatten der preußischen Militärkapellen, die bei Veranstaltern und Publikum stets die erste Wahl waren und so das Wirken und die Entwicklung der zivilen Kapellen sehr stark einschränkten.

Zu jener Zeit diente der Kornettist und Violonist Fritz Hannemann als Militärmusiker im Range eines Hautboist-Unteroffiziers in der Kapelle des 7. Fußartillerie-Regimentes. Als Korpsführer leitete er regelmäßig die Zweitbesetzung des Musikkorps bei verschiedenen Karnevalssitzungen und hatte daher recht gute Beziehungen zu verschiedenen Sitzungspräsidenten. Im Jahr 1893 gründete Hannemann seine eigene Musikkapelle. Die damals populäre Karnevalsgesellschaft "Närrische Südwester" verpflichtete ihn für ihre Sitzungen im Festsaal des Volksgartens in der Südstadt. Präsident der Südwester war der spätere Funken-Präsident Christian Witt, der auch ein bekannter Büttenredner war und darüber hinaus mehrere Theaterstücke und Singspiele verfasste, die regelmäßig bei allen großen Kölner Karnevalssgesellschaften aufgeführt wurden. Fritz Hannemann schrieb nun die Musik zu diesen Singspielen und wurde dadurch auch bei anderen Gesellschaften bekannt.

Im Jahr 1896 übernahm Hannemann die Position des Hauskapellmeisters im Victoria-Saal an der Severinstraße. Dieser war beliebter Schauplatz zahlreicher Karnevalssitzungen und Revue-Veranstaltungen, wodurch sich das Orchester nun auch über den Karneval hinaus einen guten Namen beim Kölner Publikum machen konnte und so einen Spitzenplatz unter den Kölner Zivilkapellen einnahm.

Von Anfang an war das "Hannemannsche Trompeterkorps" im Rosenmontagszug dabei. Zunächst für die Gesellschaft "Närrische Südwester", ab 1903 für die Große Allgemeine KG und ab 1908 schließlich als "Matrosenkapelle" für die Karnevalgesellschaft Sr. Tollität Reichsflotte.

   

Fritz Hannemann

Der Festsaal des Volksgartens am Eifelplatz...

 

... und der Viktoriasaal an der Severinstraße.

 

 

 

 

Die älteste erhaltene Photographie der Kapelle: Das Hannemannsche Trompeterkorps als "Matrosenkapelle" im Rosenmontagszug des Jahres 1908.

 

 

Im Jahr 1911 wurde Carl Umbreit Präsident der Prinzen-Garde. Er war zuvor lange Jahre Sitzungspräsident im Victoria-Saal gewesen und daher mit Fritz Hannemann bestens bekannt. Zwar verpflichtete Umbreit für die Sitzungen des Jahres 1912 die ausgezeichnete Kapelle der Feldartillerie unter Robert Fensch, da diese am Rosenmontag aber bereits bei den Blauen Funken verpflichtet war, gelangte nun das Hannemannsche Trompeterkorps als erste Zivilkapelle überhaupt auf die prestigereiche Position an der Spitze eines Traditionskorps.

Am 21. Juni 1913 schrieb der Kölner Oberbürgermeister Max Wallraf einen Preis für eine kölnische Hymne aus. Fritz Hannemann konnte diesen Kompositionswettbewerb für sich entscheiden. Seine "Hymne auf die Stadt Köln", vorgetragen vom bekannten Kölner Sänger Heinrich Keller, wurde preisgekrönt und brachte ihm ein für die damalige Zeit stolzes Preisgeld von 1.000 Mark ein. Letztlich war diesem Preisausschreiben aber kein Erfolg im eigentlichen Sinne beschieden, so dass Hannemanns Hymne heute leider als verschollen gilt. Wesentlich erfolgreicher waren hingegen seine Karnevalsschlager wie etwa "Dat es der Jupp vum Kägelclub" oder "Mer drinke nor noch Bottermilch". Im Karneval wurden Hannemanns Lieder vom populären Kölner Sänger Gerhard Ebeler vorgetragen. Fritz Hannemann war mittlerweile im Karneval fest etabliert und das Hannemannsche Trompeterkorps hatte sich zur ersten Kölner Musikkapelle seit über 80 Jahren entwickelt, die den preußischen Militärkapellen ernsthafte Konkurrenz machen konnte.

 

 

Fritz Hannemann mit seinen Musikern als Kapelle der Prinzen-Garde, 1912
Der bekannte Kölner Sänger Gerhard Ebeler war der bevorzugte Interpret von Hannemanns Karnevalsschlagern.

 

 

Zur selben Zeit gründete Hermann Schmidt eine weitere Musikkapelle, die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges unter dem Namen Rheinische Kaiserjägerkapelle bestand. Hermann Schmidt, geboren 1878 in Minden in Westfalen, war ebenfalls Militärmusiker gewesen. Er hatte beim Musikkorps des Pionierbatallions Nr. 7 an der Boltensternstraße gedient und spielte das Solo-Piston derart virtuos, dass er bereits nach einer relativ kurzen Dienstzeit den Militärdienst quittierte, um sich nun mit einer eigenen Kapelle selbstständig zu machen. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges spielte seine Kapelle im Rosenmontagszug für die Gesellschaft "Greesberger".

Allerdings sollte der Rosenmontagszug des Jahres 1914 der letzte für die kommenden zwölf Jahre gewesen sein. Die preußischen Militärkapellen zogen Anfang August 1914 allesamt mit ihren Regimentern ins Feld und auch die Musiker der Zivilkapellen wurden größtenteils zum Armeedienst einberufen.

 

 

Die Rheinische Kaiserjägerkapelle mit Kapellmeister Hermann Schmidt, 1912.

1918 - 1926

Unter britischer Verwaltung

 

Im Herbst 1918 stand die Niederlage des deutschen Kaiserreiches im Ersten Weltkrieg fest. Anfang Dezember hielt die britische "Brigade of Guards" vom Aachener Weiher aus Einzug nach Köln: Die Coldstream Guards zogen mit ihrer hervorragenden Musikkapelle über die Hohenzollernbrücke, um Quartier in Deutz und in der Kalker Kronprinzen-Kaserne zu beziehen, während die Irish Guards mit ihrer nicht minder guten Kapelle entlang des Hansaring und der Riehler Straße zur Kaserne an der Boltensternstraße marschierten.

Für die kommenden acht Jahre sollte Köln unter britischer Verwaltung stehen. Es galt sogar die britische Uhrzeit. Das Verhältnis zwischen den britischen Besatzern und der Kölner Bevölkerung wird jedoch als entspannt und respektvoll beschrieben. Während der Besatzungszeit fanden nahezu wöchentlich große Paraden und Wachaufzüge statt, welche die britische Authorität über die Stadt Köln unterstreichen sollten. Die unterschiedlichen Wachkompanien wurden dabei mehrfach von den "Massed Bands", den vereinigten Musikkorps der Garnison mit über 100 Musikern angeführt und boten den Kölnern ein grandioses Spektakel. Besonderes Augenmerk fanden auch die Dudelsack-Kapellen der schottischen Regimenter. Regelmäßig fanden nun Konzerte der britischen Militärkapellen im Stadt- und im Volksgarten statt. Ihnen war jedoch, genau wie einst den französischen Musikkapellen, ein außerdienstliches Auftreten untersagt.

 

 

Konzert einer britischen Militärkapelle am Rheinufer. (Bild: Imperial War Museum London)

 

 

Der Karneval blieb bis auf weiteres verboten. Selbiges galt für alle von Karnevalsgesellschaften organisierte Veranstaltungen, so dass auch keine Sitzungen oder Bälle stattfinden konnten. Ausgenommen waren hingegen Veranstaltungen die der allgemeinen Unterhaltung dienten, wie Konzerte, Theater- und Varietéaufführungen. Die Kölner Theaterdirektoren nutzten die Gelegenheit und organisierten sitzungsähnliche Veranstaltungen, die nach professionellen Grundsätzen des Varietés aufgebaut waren. Es war die Geburtsstunde der Karnevals-Revue.

Bereits im Jahr 1919 wurde die erste Karnevals-Revue unter dem Titel "Jan un Griet" im Metropol-Theater an der Apostelnstraße aufgeführt. Mittelpunkt der Aufführung war die Kölner Künstlerin Grete Fluss. Die gesamte Musik zur Revue hatte Fritz Hannemann komponiert, dessen Kapelle nun auch die musikalische Begleitung übernahm. Die Karnevals-Revue wurde ein großartiger Erfolg, das Metropol war bis Aschermittwoch jeden Abend ausverkauft. In den kommenden Jahren folgten weitere Revuen wie "Mer sin vun Kölle am Rhing", "D´r Feldmarschall vum Kümpchenshof" oder "Die Fastelovendsprinzessin". Sie liefen von Neujahr bis Aschermittwoch und begeisterten das Publikum; und sie machten Grete Fluss, die immer die Titelrolle spielte, zum umjubelten Star. Die Musik stammte stets von Fritz Hannemann und die Revuen sicherten das Auskommen seiner Kapelle in dieser karnevalslosen Zeit. Die Karnevals-Revuen waren neben dem Divertissementchen des Kölner Männer-Gesang-Vereins die einzigen öffentlichen Karnevalsveranstaltungen jener Zeit. Hinter verschlossenen Türen wurde aber zuweilen dennoch Karneval gefeiert. So begingen die Roten Funken 1923 ihr 100-jähriges Jubiläum mit einer Festsitzung. Hierzu spielte nun Hermann Schmidt mit seiner Kapelle.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg brachte zahlreiche Neugründungen von Korpsgesellschaften mit sich: Im Jahr 1922 wurde das Altstädter-Korps formiert, im Jahr 1925 folgte das Reiterkorps "Jan von Werth" und in Lindenthal gründete sich ein Husarenkorps, welches wir heute schlicht als den "Treuen Husaren" kennen. Diese neuen Korpsgesellschaften benötigten alle eine charakteristische Erkennungsmusik und alle Märsche jener Korps stammen von einem einzigen Komponisten: Heinrich Frantzen. Wie Hannemann zeichnete sich auch Frantzen für eine ganze Reihe hervorragender Konzertwerke verantwortlich. Seine zahlreichen Karnevals- und Konzertmärsche lassen eindeutig den Einfluss der in Köln präsenten britischen Militärmusik erkennen.

Denn ebenso wie einst die preußischen Kapellen und ihre Kapellmeister, prägten nun die Briten mit ihren ausgezeichneten Orchestern das Kölner Musikleben und hinterließen deutliche Spuren: Als nach dem Abzug der Briten die Kölner Karnevals-Korps erstmals wieder auf die Straße zogen, marschierten ihre Musikkapellen nun in britischer Marschaufstellung. Sie behielten diese selbst noch in der Nazi-Zeit bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bei und auch die heutige Stadtkapelle pflegt diese Tradition in leicht angepasster Form. Darüber hinaus finden sich im Notenarchiv der Stadtkapelle zahlreiche britische Militärmärsche aus jener Zeit, welche bis heute mit großer Freude von uns gespielt werden.

Am 31. Januar 1926 wurde in einer feierlichen Zeremonie der Union-Jack am britischen Oberkommando im Hotel Excelsior Ernst eingeholt und unter den Klängen einer britischen Militärkapelle durch eine rot-weiße stadtkölnische Fahne ersetzt. Im Anschluss marschierte die britische Ehrenkompanie mit Marschmusik zum Hauptbahnhof um die Rückreise nach England anzutreten. Köln war wieder frei.

 

 

1926 - 1937

Bewegte Zeiten

 

 

Nach dem Abzug der Briten schlug nun endlich die Stunde der Kölner Zivilkapellen. Denn jetzt regte sich wieder das traditionelle rheinische Leben mit seinem althergebrachten Brauchtum und seinem gewaltigen Bedarf an guter Blasmusik; im Winter zum Karneval und im Sommer zu Konzerten, Prozessionen und Schützenfesten. Viele der mittlerweile arbeitslosen preußischen Militärmusiker erinnerten sich an die doch recht beträchtlichen Verdienstmöglichkeiten in der Region rund um Köln und schlossen sich nun den Zivilkapellen an. So entstanden in Köln und Umgebung hervorragende zivile Klangkörper, in der Regel professionell ausgerichtet, welche in der Lage waren, durch ihr ausgezeichnetes Niveau dem hohen Anspruch der Veranstalter und des Publikums gerecht zu werden und so den Wegfall der Militärkapellen zu kompensieren.

Die bekannteste Kölner Musikkapelle der 1920er Jahre war die Kapelle Fritz Hannemann. Schon seit Kriegsende trat das Orchester sinfonisch komplett besetzt, also auch mit Holzbläsern, ja zuweilen sogar mit Streichern auf. Personell zeichnete sich Hannemanns Orchester durch eine starke Kontinuität aus. Noch im Jahr 1928, zum 35. jährigen Jubiläum der Kapelle, spielten in deren Reihen zahlreiche Gründungsmitglieder.

Wie bereits erwähnt hatte Fritz Hannemann die Musik zu den großen Karnevalsrevuen komponiert und darüber hinaus auch einige hervorragende Konzertwerke für Blasorchester arrangiert, was ihn in den 1920er Jahren zum produktivsten Musikschaffenden des Kölner Karnevals gemacht hatte. Er galt zudem als Erfinder der modernen, schlagfertigen Sitzungskapelle im Karneval. Viele populäre Karnevals-Schlager wie etwa "Kölsche Mädcher, kölsche Junge, sin dem Herrgott jot jelunge" entstammen seiner Feder. Sein Karnevalsmarsch aus dem Jahr 1928 wird bis heute regelmäßig zum Einzug des Kölner Dreigestirns gespielt. Bereits Anfang der 1920er Jahre produzierte Hannemann erste Schallplatten-Aufnahmen und auch das neue Medium des Rundfunks steigerte den überregionalen Bekanntheitsgrad seiner Kapelle. Am Rosenmontag hatte Fritz Hannemann weiterhin seinen Stammplatz an der Spitze der Prinzen-Garde.

 

 

 

Rosenmontag 1928: Die Kapelle Fritz Hannemann als Regimentskapelle der Prinzen-Garde.

 

 

 

Auch die Kapelle Hermann Schmidt erfreute sich in den 1920er Jahren größter Beliebtheit. Hermann Schmidt übernahm viele Traditionen und Verpflichtungen der einstigen Deutzer Kürassierkapelle, wobei auch er nun die Besetzung seines Orchesters durch ein großes Holzbläser-Register vervollständigte. Nach dem Krieg waren gleich mehrere ehemalige Musiker der Musikkapelle des mittlerweile aufgelösten Infanterie-Regiment Nr. 68 in Schmidts Kapelle eingetreten, weshalb diese im Volksmund die "68er Kapelle" genannt wurde. Aufgrund seiner Virtuosität auf dem Kornett nannte man Hermann Schmidt selber, in Anlehnung an Reinhold Fellenbergs Ehrentitel, nun den "Trompeter vom Rhein".

Hermann Schmidt bekleidete seit 1922 die angesehene Position des Kapellmeisters der Roten Funken und spielte mit seiner Kapelle auch noch für zahlreiche weitere Karnevalsgesellschaften. Im Sommer erfreute das Orchester als Bundeskapelle des Deutschen Radfahrerbundes die Besucher der alten Riehler Radrennbahn. Zum Neusser Schützenfest übernahm die Kapelle den einst von den Deutzer Kürassieren besetzten Platz an der Spitze des traditionsreichen Neusser Reitercorps. Darüber hinaus spielte Hermann Schmidt mit seiner Kapelle auf zahlreichen Schützenfesten in den Ortschaften zwischen Köln und Neuss. Neben seiner eigenen Kapelle leitete er als Dirigent auch das Werksorchester der städtischen Gas-, Elektrizitäts-, und Wasserwerke sowie das renommierte Blasorchester der Bayerwerke in Leverkusen.

 

 

Die Kapelle Hermann Schmidt, 1929
Hermann Schmidt in voller Pracht als Kapellmeister der Roten Funken auf dem Neumarkt, Rosenmontag 1933.

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Eine Neuheit war das Musikkorps des Kölner Garde-Vereins unter der Leitung von Friedrich Wilhelm Klein. Im Gegensatz zu den beiden anderen Kapellen war das Musikkorps des Garde-Vereins in der Tradition der Kavalleriemusik besetzt, also ausschließlich mit Blechbläsern. Die Kapelle hatte ihren ersten öffentlichen Auftritt kurz nach Abzug der Briten am 22. März 1926. Auf dem Rathausplatz nahm sie als Teil der Ehrenformation der Kölner Vereine und Innungen am Empfang des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg durch den Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer teil. Markenzeichen des Musikkorps waren vier Fanfarenbläser und ein Kesselpauker zu Pferd in den Uniformen der ehemaligen Garde-Kavallerie-Regimenter. Zum Karneval spielte die Kapelle an der Spitze der Blauen Funken.

Der Kesselpauker des Musikkorps war eine lokale Berühmtheit in Köln: Elo Wilhelm Sambo, geboren in der einstigen deutschen Kolonie Kamerun und vor dem Kriege Pauker bei den Potsdamer Leibgarde-Husaren. Nach dem Krieg holten ihn alte Kameraden nach Köln, wo er bis zu seinem Tode hoch zu Ross mit der Kapelle des Garde-Vereins alljährlich den Rosenmontagszug eröffnete. Sambo war ein allseits beliebter und geschätzter Musiker, so dass er neben seinem Engagement beim Musikkorps des Garde-Vereins gelegentlich auch als Aushilfe in der Kapelle von Hermann Schmidt mitwirkte. 

 

Das Musikkorps des Kölner Garde-Vereins im Jahr 1928.
Die Fanfarenbläser des Musikkorps des Kölner Garde-Vereins in den Uniformen der ehemaligen Garde-Kavallerie Regimenter der Alten Armee. An den Kesselpauken Elo Sambo, oben rechts Musikmeister Friedrich Wilhelm Klein.
Das Musikkorps des Garde-Vereins in Uniform der Blauen Funken, Rosenmontag 1927.
F. W. Klein als Kapellmeister der Blauen Funken.

 

Mitte der 1920er Jahre musizierten im gesamten Rheinland eine ganze Reihe von professionellen zivilen Blasorchestern, die aufgrund ihrer hohen Qualität Publikum und Veranstalter gleichermaßen begeisterten. Neben den drei großen Kölner Kapellen seien an dieser Stelle auch einige der auswärtigen Kapellen in Erinnerung gehalten: So etwa die Stadtkapelle Düsseldorf unter der Leitung von Carl Hütten, der ebenso wie Fritz Hannemann mehrere Heimatlieder und Karnevalsschlager komponiert hatte, von denen das Düsseldorfer Jonges-Lied bis heute populär ist. Die Neusser Stadtkapelle stand unter der Leitung von Musikmeister Paul Pawellek, wobei es in Neuss mit der Rennefeldschen Kapelle und der Kapelle Jean Schmitz sogar noch zwei weitere hervorragende Musikkapellen gab.

Eine Abfolge von Großereignissen sorgte in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre in Köln dafür, dass die Zivilkapellen zum nahezu allgegenwärtigen Teil des städtischen Gesellschaftslebens wurden. So fand im Jahr 1928 auf dem eigens neuerbauten Messegelände in Deutz die Internationale Presseausstellung statt. Diese Weltausstellung des Pressewesens hatte von Mai bis Oktober geöffnet und die Kölner Musikkapellen gastierten dort mit mehreren Platzkonzerten.

Am 1. Juli 1928 wurde in der großen Messehalle am Tanzbrunnen der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften feierlich proklamiert. Im Anschluss an den Festakt zogen über 15.000 Schützen aus dem gesamten Rheinland und Westfalen in einem großen Festzug über die Hohenzollernbrücke und die Ringstraße.

Nur drei Wochen später fand in Köln das 14. Deutsche Turnfest statt. Zum Abschluss zog abermals ein großer Festzug über die Ringe und Aachener Straße zum Stadion nach Müngersdorf. Gegenüber der Ehrentribüne am Rudolfplatz spielte die Kapelle von Hermann Schmidt über 4 Stunden lang zum Vorbeimarsch von über 300.000 Turnern aus ganz Deutschland.

Im folgenden Jahr feierte die kölnische Zollfestung Zons ihr Stadtjubiläum mit einem großen historischen Festzug, der seitens der Kölner Karnevalsgesellschaften mit historischen Kostümen und Rüstungen unterstützt wurde. Die Festmusik stellte auch hier Hermann Schmidt mit seiner Kapelle. 

Am 13. Oktober 1929 wurde schließlich die neuerbaute Mülheimer Brücke eingeweiht. Nach dem Festakt auf der Brücke marschierten die Fahnenabordnungen der Kölner Vereine und Innungen mit Musikbegleitung zurück nach Köln, wo sie im Gürzenich mit einem Festessen empfangen wurden.

Hinzu kamen die jährlich wiederkehrenden Feste und Ereignisse: Wie bereits erwähnt nahmen alle Kölner Kapellen auf prominenter Position am Rosenmontagszug teil. Sie spielten ebenso allesamt zur großen Stadtprozession an Fronleichnam. Die Kirchenmusik hatte damals noch einen sehr hohen Stellenwert in Köln. Jede Innenstadtpfarrei hielt eine oder mehrere Prozessionen ab, stets begleitet von der dazugehörigen Veedelskirmes, auf der neben Bierzelt, Karussells und allerhand Schaustellerbuden auch immer eine gute Blasmusik lockte. Schließlich waren die Kölner Kapellen auch weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebt und geschätzt. Sie spielten im Sommer zu Kurkonzerten in Bad Neuenahr oder Bad Godesberg ebenso wie zum großen Schützenfest in Neuss.

 

 

Das Musikkorps des Kölner Garde-Vereins auf dem Neusser Schützenfest, 1929   (Bild: RSM Neuss)

 

Eröffnung der Mülheimer Brücke am 13. Oktober 1929

 

 

 

 

Der Rosenmontag des Jahres 1929 ging als kältester Rosenmontag aller Zeiten in die Geschichte ein. Temperaturen von minus 14 Grad Celsius ließen bei den Zuschauern den Sekt in den Gläsern gefrieren und auch die Musiker mussten sich während des gesamten Umzuges mit eingefrorenen Instrumenten herumplagen.

 

Zu jener Zeit machte ein junger Trompeter zunehmend von sich reden: Christian Reuter. Er war im Jahr 1899 als Sohn eines Klavierbauers in der Sternengasse geboren worden und hatte vor und nach dem Ersten Weltkrieg am alten Kölner Konservatorium in der Wolfsstraße studiert. Er galt als ausgezeichneter Trompeter und Pianist. Bereits als 15-jährigen hatte Fritz Hannemann ihn in seine Kapelle aufgenommen, in der Reuter es bis zum ersten Trompeter brachte und zu Hannemanns Stellvertreter avancierte. Im Jahr 1929 komponierte er einen neuen Regimentsmarsch für die Ehrengarde der Stadt Köln, der bis zum heutigen Tage gespielt wird.

 

Die kulturelle Blüte der 1920er Jahre nahm im Spätherbst 1929 ein jähes Ende. Deutschland wurde von der Weltwirtschaftskrise erfasst. Es war die schwerste wirtschaftliche Krise der Neuzeit, die alleine in Deutschland Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit stürzte. Bereits zum Rosenmontagszug 1930 wurden die Musikkapellen deutlich in Größe und Umfang reduziert. In den Jahren 1931 und 1932 wurde der Zug dann aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sogar komplett abgesagt. Die Stadtverwaltung organisierte stattdessen die "Kölner Nothilfe", die Spenden sammelte um das wachsende Heer an Arbeitslosen und deren Familien mit Essen und dem Allernötigsten zu versorgen. Oberbürgermeister Konrad Adenauer bat hierzu Kapellmeister Fritz Hannemann um Mithilfe. Seine Kapelle spielte in den folgenden Monaten mehrfach im Rahmen der Nothilfe zu Platzkonzerten in der Kölner Innenstadt auf.

 

Die massive wirtschaftliche Krise begünstigte den Zerfall der Weimarer Republik und leitete im Januar 1933 die sogenannte Machtergreifung der Nationalsozialisten ein. Das Nazi-Regime bediente sich dreist der jahrhundertealten deutschen Militärmusiktradition, um diese nun in den Dienst ihrer Propaganda zu stellen. So mancher Blasmusiker fand sich in der Uniform einer der zahlreichen Parteigliederungen wieder. Ob dies nun aus innerer politischer Überzeugung oder vielmehr aus persönlichen wirtschaftlichen Interessen geschah, lässt sich im Nachhinein kaum noch bestimmen. Für Hermann Schmidt galt wohl beides. Er übernahm ab 1933 auch die Funktion des Kapellmeisters einer Parteiorganisation. Dabei gab es bei ihm allerdings eine klare Trennung der Aufgabenbereiche: So spielte seine Kapelle beim Neusser Schützenfest oder auch bei Einsätzen im Rahmen der Kölner Tourismus-Werbung niemals in Parteiuniform, sondern behielt ihre alte Traditionsuniform. Darüber hinaus erlaubte er sich musikalisch so manche Freiheit, welche nicht ganz im Sinne des Regimes gewesen sein dürfte. So begrüßte er einmal, als seine Kapelle eine Ehrenformation stellen musste, einen ranghohen Parteiführer aus Berlin mit dem Karnevalsschlager "Jung dat häste joot jemaht!". Das schaulustige Publikum auf der Straße begann sogleich, sehr zum Verdruss des Parteioberen, mitzusingen und sogar zu schunkeln. Während des Rosenmontagszuges erklang von Schmidts Musikern am Dom stets der "Marsch nach Motiven aus Judas Maccabäus" mit Händels mächtigem "Tochter Zion" im Trio und auch Elo Sambo, der kölsche Musiker mit afrikanischen Wurzeln, spielte weiterhin in Hermann Schmidts Kapelle. Dennoch muss man Hermann Schmidts Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus äußerst kritisch bewerten.

 

Fritz Hannemann hingegen gelang es, mit seiner Kapelle stets eine klare Distanz zum Nazi-Regime zu halten. Er blieb seinem katholischen Milieu verbunden, was ihm in der Folgezeit allerdings so manchen Auftrag kosten sollte. Dessen ungeachtet konnte Fritz Hannemann im Jahr 1936 sein 50-jähriges Jubiläum als Musiker im Kölner Karneval feiern. Ihm zu Ehren richteten die Kölner Karnevalisten am 12. Februar 1936 eigens eine Jubelsitzung im Gürzenich aus. Der Jubilar selber konnte an diesem Abend auf einem Ehrenstuhl im Elferrat Platz nehmen. Der bekannte Karnevalspräsident Carl Umbreit würdigte ihn mit den Worten: "Was wäre der Kölsche Fasteleer ohne seine Lieder, und was wären seine Lieder ohne ihre Melodien? Wir Kölner lieben nun einmal volkstümliche Melodien, und es ist gar nicht so einfach, die richtigen zu finden." Präsident Thomas Liessem hielt ebenfalls eine Laudatio und ernannte Hannemann zum Ehrenmitglied des Festausschusses (heute Festkomitee) des Kölner Karnevals.

 

 

 

Fritz Hannemann

 

Nur wenige Wochen später zogen dunkle Wolken über dem Rhein auf. Am 7. März 1936 besetzte die deutsche Wehrmacht entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrages das Rheinland und beendete damit die fast 20-jährige Phase der Entmilitarisierung. Zum ersten Mal seit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden nun wieder deutsche Militärkapellen in Köln stationiert. Einige Veranstalter und Karnevalspräsidenten nutzen umgehend die Gelegenheit, ihre Veranstaltungen jetzt wieder mit einer Militärkapelle zu schmücken, ungeachtet der bisherigen Leistungen und Verdienste der Kölner Zivilkapellen, deren Wirken vorübergehend erneut eingeschränkt wurde.

Anfang August 1936 verstarb der große Kölner Sänger Willi Ostermann. Zu seiner Beerdigung zog ein unüberschaubarer Trauerzug vom Neumarkt über die Mittel- und Aachener Straße nach Melaten. Der Musikverein "Ossian" und die Kapelle Fritz Hannemann begleiteten den populären Dichterkomponisten auf seinem letzten Weg. An seinem Grab erklang erstmals sein "Heimweh nach Köln", dessen Text er noch auf dem Sterbebett vollendet hatte.

Ein gutes Jahr später, im August 1937, feierte Fritz Hannemann seinen 70. Geburtstag. Der Kölner Stadt Anzeiger widmete dem beliebten Kapellmeister an diesem Tag einen Artikel: "Was soll man über Hannemann noch viel erzählen. Es gibt kaum einen Kölner und eine Kölnerin, die ihn nicht kennen. In den fünf Jahrzehnten seiner Kölner Musiktätigkeit hat dieser Westfale, der heute schon viele Jahre ein waschechter Kölner ist, mancherlei im Kölner Karneval erlebt und gesehen, und er hatte selbst an dem Gelingen des vaterstädtischen Festes viel Anteil, sei es nun, daß er mit seiner Kapelle die schmissigen Melodien spielte, oder sei es, daß er eine ziemliche Anzahl von Kompositionen schuf, die noch heute zum eisernen Bestand der Kölner Karnevalsmusik gehören."

Im selben Jahr fand in Paris die Weltausstellung statt. Die Stadt Köln konnte sich dort, als einzige Stadt, mit einem eigenen Pavillon präsentieren. Der Kölner Pavillon war als eine Art Hausboot auf der Seine angelegt und drohte beinahe neben Albert Speers vor Größenwahn strotzenden Deutschen Pavillon zu verschwinden. Im Pavillon selbst gab es neben den eigentlichen Ausstellungsräumen zur Kölner Stadtentwicklung auch ein großes Restaurant. Im Herbst 1937 reiste die Kapelle Hermann Schmidt nach Paris um auf der Weltausstellung ein vielbeachtetes Konzert zu geben. Darüber hinaus präsentierte man den Parisern und ihren internationalen Gästen einen typisch rheinischen Abend, zu dem die Kapelle ebenfalls aufspielte. Obwohl die Auftritte in Paris den unbestrittenen Höhepunkt in der Karriere Hermann Schmidts darstellten, konnte er diesen Erfolg aufgrund einer schweren Erkrankung nicht mehr voll auskosten. Die Leitung der Schmidtschen Kapelle in Paris übernahm vertretungsweise Christian Reuter.

 

 

1938 - 1970

Die Ära Christian Reuter

 

Im Januar 1938 verstarben binnen weniger Wochen die beiden großen Kapellmeister des Kölner Karnevals Fritz Hannemann und Hermann Schmidt. Hannemanns erster Trompeter und Stellvertreter Christian Reuter übernahm die Leitung der Musikkapelle. Noch im selben Jahr wurde Reuter zum Korpskapellmeister der Prinzen-Garde und zum Kapellmeister des Festausschuss des Kölner Karnevals ernannt. Als am 16. Februar 1939 im Herzen der Altstadt das neuerrichtete Denkmal für Willi Ostermann feierlich eingeweiht wurde, dirigierte Christian Reuter seine Kapelle erstmals öffentlich in der Uniform der Prinzen-Garde.

 

 

 

 

 

Wie schon Fritz Hannemann so nutzte nun auch Reuter die Möglichkeit, den Bekanntheitsgrad seiner Kapelle durch Schallplatten-Produktionen zu steigern und dadurch auch im Rundfunk präsent zu sein. Doch noch im selben Jahr verhinderte der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges jede weitere Entwicklung. Während des Krieges spielte die Kapelle Christian Reuter im Rahmen der Truppenbetreuung bei verschiedenen Front-Theatern. Später wurde sie auch in der Heimat zu sogenannten "musikalischen Werkspausen" in großen Betrieben eingesetzt.

Verliefen die ersten Kriegsjahre in Köln noch verhältnismäßig ruhig, im Jahr 1940 wurde sogar noch einmal (wenn auch nur inoffiziell) Karneval gefeiert, so kehrte der vom Nazi-Regime entfesselte Krieg mit all seinem Schrecken spätestens im Jahr 1942 in sein Ausgangsland zurück. In endlosen Bombennächten wurde das alte Köln, die vielbesungene schöne Stadt am Rhein mit ihrem jahrhundertealten flämisch geprägten Stadtbild in Schutt und Asche gelegt. In Erinnerung gehalten bleiben sollten dabei die besonders schweren Luftangriffe vom 31. Mai 1942 ("1.000-Bomber-Angriff") und vom 29. Juni 1943 ("Peter und Paul-Angriff"). Am Ende dieses entsetzlichen Krieges existierte das alte Köln nicht mehr. Es waren nur Trümmer übrig geblieben, aus denen trotzig die Türme des unzerstörten Domes herausragten.

Nach dem Krieg übernahm vertretungsweise Fritz Roeseler die Leitung der Kapelle, welche zunächst auch wieder unter dem alten Namen "Hannemannsches Blasorchester 1893" auftrat. Im Herbst 1945 versammelten sich die ersten Musiker um den Probenbetrieb wieder aufzunehmen.

Schon im Winter 1946 führten die Roten Funken die ersten karnevalistischen Veranstaltungen durch. Da alle Säle der Stadt zerstört worden waren, fand die erste Karnevalssitzung nach dem Krieg im Vereinssaal des Agneshauses in der Weißenburgstraße statt. Im Jahr darauf wurde dann schon wieder eine Nummer größer in den "Atlantic-Sälen" in der Waisenhausgasse gefeiert. Kurze Zeit später stand mit dem Winterbau des Zirkus Williams an der Aachener Straße sogar ein geeignet großer Saalbau für Karnevalssitzungen und Bälle zur Verfügung. Jeweils mit dabei war das Hannemannsche Blasorchester als Saal- und Sitzungskapelle. Die Prinzen-Garde veranstaltete im selben Jahr ihre ersten Korps-Appelle auf dem Rheindampfer "Bismarck" und auch hier durfte die Musikkapelle nicht fehlen.

Im Jahr 1948 zogen die Karnevalisten am Rosenmontag erstmals wieder auf die Straße. Zwar war an einen Rosenmontagszug noch nicht zu denken, dennoch versammelten sich die Roten Funken am Hahnentor und zogen unter den Klängen des Hannemannschen Blasorchesters und begleitet von einer unüberschaubaren Menschenmenge über die Ringstraße zum provisorischen Rathaus am Kaiser-Wilhelm-Ring.

 

 

Noch ohne Uniform und nur mit dem Korps-Krätzchen auf dem Kopf: Das Hannemannsche Blasorchester begleitet den ersten öffentlichen Wachaufzug der Roten Funken nach dem Zweiten Weltkrieg am Rosenmontag 1948.

 

 

Kurz darauf kehrte Christian Reuter an die Spitze seiner Kapelle zurück und führte diese jetzt wieder unter seinem eigenen Namen weiter. Beim ersten Rosenmontagszug nach dem Krieg im Jahr 1949, offiziell sprach man nur von einer "erweiterten Kappenfahrt", zog die Kapelle wieder auf ihrer traditionellen Position an der Spitze der Prinzen-Garde durch die Stadt. Wie schwer der Wiederanfang nach dem Krieg war, zeigt eindrucksvoll das folgende Bild. Der eigentlich freudestiftende Zug bewegt sich durch eine triste Trümmerlandschaft. Im Hintergrund erkennt man die schwer beschädigte Basilika St. Gereon. Der Bombenkrieg hatte auch die Uniformkammer der Prinzen-Garde mitsamt dem schönen alten Schellenbaum vernichtet. Tambourkorps und Musikkapelle sind nur äußerst notdürftig mit Uniformen ausgestattet. Der mitgeführte Schellenbaum ist jener der ehemaligen Kapelle Hermann Schmidt. Er befindet sich noch heute im Besitz der Prinzen-Garde.

 

 

 

Die Kapelle Christian Reuter an der Spitze der Prinzen-Garde.

 

 

Am 8. Mai 1949 trafen sich die Mitglieder der Künstlervereinigung Muuzemändelcher zur Entschuttung des zerstörten Gürzenichs. Christian Reuter trommelte seine Musiker zusammen und spielte auf dem Platz vor dem Gürzenich zu einem spontanen Standkonzert auf. Sofort versammelte sich viel schaulustiges Volk. Die Muuzemändelcher nutzten die Gelegenheit, um Geld für den guten Zweck zu sammeln. Im Anschluss zogen sie gemeinsam mit der Kapelle Christian Reuter vom Gürzenich zum Ostermannbrunnen, um dort des verstorbenen Dichterkomponisten zu gedenken. Im folgenden Jahr wiederholte man diese Gedenkstunde, nun aber am 11. November. Es war dies die Keimzelle der jährlichen Feierlichkeiten zum 11.11..

Da der Gürzenich bis auf weiteres nicht zur Verfügung stand, nutzten die Karnevalisten zunehmend den Winterbau des Zirkus Williams an der Aachener Straße für ihre Veranstaltungen. Neben verschiedenen Sitzungen und Bällen fanden dort auch die Prinzenproklamation und die ersten Fernsehsitzungen statt. Das Festkomitee engagierte hierzu stets die Kapelle Christian Reuter mit einer beachtlichen Besetzung aus 24 Musikern. Für Reuter war es eine Ehrensache, dass seine Musiker dabei stets in vollständiger Uniform der Prinzen-Garde auf der Bühne saßen.  

Christian Reuter spielte mit seiner Kapelle auch für die Ehrengarde. Nur am Rosenmontag wurde diese vom berittenen Trompeterkorps des ehem. Husaren-Regimentes Nr. 8 aus Paderborn unter der Leitung des dort bis heute unvergessenen Hugo Gerlach angeführt. Für die Roten Funken hingegen wurde im Jahr 1949 eine neue Kapelle aufgestellt. Diese stand unter der Leitung von Albert Bötel. Er war einst Musiker in der Kapelle von Robert Fensch gewesen und von 1914 bis 1919 der letzte Kapellmeister des Musikkorps der 59er Feldartillerie. Zwischen den beiden Weltkriegen arbeitete er dann, ganz unmusikalisch, als Steuerinspektor in Köln. Trotz aller Widrigkeiten der Nachkriegszeit schaffte er es, für den ersten Rosenmontagszug eine komplett besetzte Kapelle aus  28  uniformierten Musikern zuzüglich Tambourzug und Schellenbaum auf die Straße zu bringen. Es war ein imposantes Bild, wenn die Kapelle der Roten Funken nun wieder mit fünf Mann Breite, in den letzten beiden Reihen ein großes Klarinettenregister nach britischem Vorbild, durch die Straßen Kölns zog. Es signalisierte den Kölnern, dass es trotz Krieg und Zerstörung weitergehen sollte.

 

 

Albert Bötel als Kapellmeister der Roten Funken.
Die Kapelle Albert Bötel an der Spitze der Roten Funken.

 

 

Im selben Jahr formierte Max Bause die ehemalige Kapelle des Kölner Garde-Vereins in traditioneller Schützentracht neu. Die Kapelle spielte auf zahlreichen Schützenfesten in Köln und im Umland. Als der Zentralverband der Schützen im Jahr 1952 ein großes Wertungsspiel in Bürrig veranstaltete, dem sich alle nennenswerten rheinischen Musikkapellen und Tambourkorps stellten, errang die Kapelle Max Bause dort einen der begehrten Titel und konnte sich künftig "Bundesschützenkapelle Köln" nennen. Zum ersten Bundesfest, welches 1953 in Köln stattfand, oblag der Kapelle ein Großteil der musikalischen Gestaltung. So marschierte Max Bause mit seinen Musikern an der Spitze des großen Festzuges durch die Kölner Innenstadt und eröffnete die abschließende Parade auf der Zeughausstraße. Im Karneval übernahm Max Bause mit seinen Musikern die traditionelle Position an der Spitze der Blauen Funken. Was die Besetzung anging, so pflegte er weiterhin das Prinzip der reinen Kavalleriebesetzung ohne Holzbläser.

 

Die Bundesschützenkapelle Köln unter Kapellmeister Max Bause während der Parade auf der Zeughausstraße aus Anlass des ersten Bundesfestes der historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Köln am 5. Juli 1953.
Max Bause als alter Kavalleriemusiker persönlich an den Kesselpauken.
Die Bundesschützenkapelle als Musikkorps der Blauen Funken an Rosenmontag 1954. Komplett besetzte berittene Musikkorps nach Vorbild der Kavalleriemusik gab es bei allen Reiter-Korps des Kölner Karnevals noch bis Ende der 1960er Jahre.

 

Die führende Rolle unter den Kölner Musikkapellen spielte weiterhin die Kapelle Christian Reuter. Der Chronist Wolfgang Oelsner fasste es folgendermaßen zusammen: "In seinem Zenit wirkte Reuter um die Jahrhundertmitte als Musikerpersönlichkeit, die eine Brücke zwischen alter und neuer Zeit schlug. Als Nachfolger Hannemanns und Schmidts waren ihm sowohl die großen Blasmusikbesetzungen der Militärkapellen vertraut, ebenso die damals beliebten Salon-Orchester in den großen Café-Häusern. Im Blick nach vorn darf in Reuter einer der ersten großen Musikunternehmer gesehen werden. Das heisst, an einem Abend laufen in Kölner Sälen mehrere Besetzungen unter dem prominenten Namen. Der Chef zieht die Runde und schaut eine Halbzeit mal da, eine andere mal dort vorbei. Viele große Gesellschaften hatten in den ersten Nachkriegsjahren Reuter unter Vertrag, u.a. die Ehrengarde, die Prinzen-Garde, Große Kölner. Das Festkomitee engangierte ihn für die Prinzenproklamation im Williams-Bau und im Gürzenich und ehrte ihn als Hofkapellmeister Sr. Tollität. Als Kapellmeister verkörperte Reuter noch den alten Stil. Er stand seinen Musikern als Autorität mit dem Taktstock vor. Später, so erinnert sein langjähriger erster Trompeter Theo Zilliken, blies er auf dem Kornett Liedfragmente an, die blitzschnell einen Witz kommentierten. Eben jene kölsch-musikalische Spezialität, die heute allerorten kopiert wird. Trotz solcher Clous verstand sich Reuter weniger als Mann der Show denn als Musiker. Brillant war er als Begleiter am Piano. Sänger waren bei ihm stets gut aufgehoben. Es war die Zeit, wo noch nicht vom ersten Takt an mitgeklatscht werden musste."

Auch Christian Reuters Kapelle zeichnete sich durch eine starke personelle Kontinuität aus. Einige seiner langjährigen Musiker seien hier stellvertretend namentlich erwähnt: Bereits vor dem Krieg war Jean Zilliken sein Solotrompeter gewesen. Auch dessen Söhne Theo (Trompete) und Fritz Zilliken (Posaune) spielten über Jahrzehnte in der Kapelle. Ebenso lange dabei war Hans Bally, der ebenfalls als Solotrompeter in der Kapelle wirkte und regelmäßig die Leitung der Zweitbesetzung übernahm. Auch Reuters Schwiegersohn Bert Heus und dessen Bruder Hilar Heus zählten zur Stammbesetzung. Darüber hinaus war Christian Reuter regelmäßig im gesamten Rheinland und sogar im angrenzenden Westfalen unterwegs, um besonders geeignete Musiker für seine ausgezeichnete Kapelle zu verpflichten, so auch den aus dem Oberbergischen stammenden Trompeter Hermann Knopp, der ebenfalls über viele Jahre zur Stammbesetzung gehörte.

 

 

Christian Reuter
An Rosenmontag hatte Christian Reuter, wie schon zuvor Fritz Hannemann, seinen Stammplatz an der Spitze der Prinzen-Garde.
"... als Kapellmeister verkörperte Reuter noch den alten Stil. Er stand seinen Musikern als Autorität mit dem Taktstock vor..."

 

 

Im Herbst 1954 übernahm Hardy von den Driesch die Leitung der Bundesschützenkapelle aufgrund einer schweren Erkrankung des Kapellmeisters Max Bause. Von den Driesch war unmittelbar nach dem Krieg in Bauses Kapelle eingetreten und dort als erster Trompeter tätig gewesen. Zeit seines Lebens lehnte er die Bezeichnung "Kapellmeister" ab und bevorzugte vielmehr den Titel "Stabstrompeter". Zur gleichen Zeit gab Albert Bötel altersbedingt die Leitung seiner Kapelle auf und bot seine Geschäfte Hardy von den Driesch an.  Somit fungierte die Bundesschützenkapelle ab dem Karneval 1955 als Kapelle der Roten und der Blauen Funken. Bisher war die Kapelle der Roten Funken immer in klassischer Infantriebesetzung, also mit einem großen Klarinettenregister besetzt gewesen. Von den Driesch änderte dies nun und hielt an dem von Max Bause übernommenen Prinzip der reinen Blechbläserbesetzung fest. Nur bei der Tanz- und Saalkapellenformation wurde ein Saxophonregister hinzugefügt. Im folgenden Jahr spielte die Bundesschützenkapelle Köln auch wieder zum großen Schützenfest in Neuss. Dort bildete die Kapelle über mehrere Jahre hinweg die musikalische Spitze des Korps der Neusser Schützenlust.

Zur Mitte der 1950er Jahre standen die Kölner Musikkapellen erneut im Zenit ihres Wirkens. Sie waren wieder ein nahezu allgegenwärtiger Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Der Kölner Historiker und Chronist Hans Schmitt-Rost brachte es auf den Punkt:

"Eine Trööt ist in Köln jede Art von blechernem Musikinstrument. In dieser Stadt herrscht ein großer Bedarf an Trööten: bei den Karnevalssitzungen und im Rosenmontagszug, wenn ein besserer Mann begraben wird, bei Betriebsausflügen mit dem Rheindampfer, am 1. Mai, am Heiligen Abend, zu Schützenfesten und bei den Pfarrprozessionen. Immer muß geblasen werden. Die Trööt ist der Clou der Veranstaltung. Sie gibt Feuer und Kraft, teils feierlich, teils heroisch, teils sentimental. Geschmetterte Töne haben Glanz und Prunk, und nichts hört der Kölner lieber." 

 

 

 

Die 1960er Jahre waren gekennzeichnet von der zunehmenden Konkurrenz zwischen den beiden großen Kölner Musikkapellen von Christian Reuter und Hardy von den Driesch. Legendär waren die großen Karnevalsbälle jener Zeit im Gürzenich, wenn beide Kapellen gleichzeitig auf der Bühne saßen und im direkten Vergleich miteinander konkurrierten und das Publikum begeisterten. Ein Prinzip, welches das Festkomitee ab Mitte der 1960er Jahre auch für die Prinzenproklamation zu nutzen wusste. Damals noch eine Selbstverständlichkeit waren zudem die Platzkonzerte der Regimentskapellen der Traditionskorps an den Sonntagen der Karnevalssession auf dem Neumarkt. 

Eine Tradition die heute kaum noch gepflegt wird, war das Wecken der Präsidenten am Morgen des Rosenmontags. Bereits um 6 Uhr in der Früh waren die Musikkapellen in der gesamten Stadt unterwegs und brachten "ihren" Präsidenten ein Ständchen dar. An eine besondere Anekdote erinnerte sich Max-Leo Schwering: "Nun sind Karnevals-Präsidenten am frühen Rosenmontag nicht unbedingt hellwach. Festkomitee-Präsident Ferdi Leisten verschlief einmal die Ankunft der Musiker vor seiner Wohnung. Die ersten Trompetenstöße erreichten ihn im Bett. Nun hätte er die Honneurs machen müssen - aber im Nachtgewand? Schließlich hatte sich um die Musiker auch schaulustiges Publikum versammelt. Blitzschnell riß Leisten die Litewka vom Bügel, setzte sich die Narrenmütze aufs strubbelige Haar und trat jovial winkend ans Fenster. Niemand ahnte, dass der Herr Präsident nur oben korrekt gekleidet war..."

Eine weitere schöne Anekdote ereignete sich am Rosenmontag des Jahres 1968: Gleich hinter der großen Ehrentribüne am Rathaus blieb der Festwagen von Bauer und Jungfrau mit einem Achsbruch liegen. Den beiden blieb nichts anderes übrig, als den Rosenmontagszug zu Fuß zu Ende zu bringen. Da unmittelbar hinter dem Festwagen Christian Reuter mit seiner Kapelle an der Spitze der Prinzen-Garde marschierte, übernahm die damalige Jungfrau Hans Becker kurzerhand das Dirigat über die Kapelle und zog gemeinsam mit Christian Reuter bis zum Ende des Rosenmontagszuges. Dabei zeigte sich Hans Becker überaus spendabel: Jeder Musiker der Kapelle erhielt im Anschluss an den Zug einen Orden und ein üppiges "Trinkgeld".

Am 8. November 1969 feierte Christian Reuter seinen 70. Geburtstag. Halb Köln machte sich an diesem Tag auf nach Klettenberg, um dem beliebten Kapellmeister persönlich zu gratulieren. Die Künstlervereinigung Muuzemändelcher war vollständig erschienen und die Rheinmelodiker brachten dem Jubilar vor seinem Wohnhaus ein Ständchen dar. Zu den ersten Gratulanten zählte Kölns Oberbürgermeister Theo Burauen.

 

Prinzenproklamation 1965 im Gürzenich: Rechts die Kapelle Reuter in Prinzen-Garde Uniform, links die Kapelle von den Driesch in Uniform der Blauen Funken.
In den 1960er Jahren noch eine Selbstverständlichkeit: Die Platzkonzerte der Musikkapellen der Kölner Traditionskorps auf dem Neumarkt.
Rosenmontag 1968, Christian Reuter führt gemeinsam mit Hans Becker seine Kapelle an.
November 1969: Oberbürgermeister Theo Burauen und führende Kölner Karnevalisten gratulieren Christian Reuter zu seinem 70. Geburtstag.

1970 - 2006

Vorzeichenwechsel

 

Im Oktober 1970 verstarb Christian Reuter nach einem erfüllten Musikerleben, allerdings ohne einen geeigneten Nachfolger für die Übernahme seiner Kapelle gefunden zu haben. Sein erster Trompeter Hans Bally hatte eine Übernahme aufgrund seiner beruflichen Verpflichtung als Musiker beim Kölner Polizeimusikkorps zunächst abgelehnt. Daher übernahm Reuters Schwiegersohn Bert Heus, selbst bereits 60-jährig, die Leitung der Kapelle. Durch diese vorübergehend entstandene "Sedisvakanz" gelang es schließlich Reuters Konkurrenten Hardy von den Driesch, mit seiner Kapelle einen Großteil der Spielverpflichtungen der Kapelle Reuter zu übernehmen. 

Daraus ergab sich die kuriose Situation, dass sich nun alle Traditionskorps die selbe Kapelle teilten. Darüber hinaus spielte von den Driesch auch noch für das Festkomitee und zahllose weitere Karnevalsgesellschaften. Ein alter Musiker berichtete, dass die Kapelle an den Wochenenden der Karnevals-Session mit bis zu 15 Besetzungen unterwegs war. An Rosenmontag spielte die Kapelle Hardy von den Driesch jedoch weiterhin an der Spitze der Roten Funken. Im Sommer blieb das Orchester zunächst auch noch als Bundesschützenkapelle aktiv.

 

Nach dem Tod von Christian Reuter übernahm Hardy von den Driesch auch die Position des Kapellmeisters der Prinzen-Garde.
An Rosenmontag spielte die Kapelle aber weiterhin an der Spitze des ältesten Kölner Korps, den Roten Funken, wie hier im Jahr 1972.
Im Sommer war die Kapelle auch noch als Bundesschützenkapelle aktiv.

 

 

Auf dem Höhepunkt der sogenannten "Happy-Sound-Welle" wandelten viele Orchesterleiter, der Mode der Zeit folgend, ihre Kapellen zu reinen Big Bands um und konzentrierten sich fast ausschließlich auf das Karnevalsgeschäft. Die bisherige Vielfalt in Repertoire und Auftreten der Musikkapellen ging dadurch größtenteils verloren. Hardy von den Driesch folgte dieser Mode nicht. Er erlebte diese Entwicklung allerdings auch nur noch bedingt. Er starb nach schwerer Krankheit im Herbst 1979 im Alter von nur 63 Jahren. Mit ihm endete die Ära der großen Zivilkapellen in Köln. 

Indessen formierte Hans Bally mit einer Hand voll ehemaliger Musiker der Kapelle Reuter doch noch ein eigenes Orchester. Hans Bally, geboren 1921 in Köln-Mülheim, hatte im Alter von 8 Jahren von seinem Vater, welcher ein bekanntes Mülheimer Werksorchester leitete, seinen ersten Unterricht im Fach Trompete erhalten. Vier Jahre später spielte er bereits in verschiedenen Orchestern. Mit 16 Jahren hatte er seinen ersten großen Auftritt als Solist im Gürzenich. Ab 1940 war er als erster Trompeter im Musikkorps der Kölner Polizei angestellt und im gleichen Orchester ab 1950 als erster Flügelhornist und Solo-Trompeter tätig. Zudem war er über 20 Jahre erster Trompeter in der Kapelle von Christian Reuter gewesen. Unvergessen sind seine Soli in den Bravourstücken "Die Post im Walde" und "Die Teufelszunge".

Mit seiner Kapelle spielte er ab 1972 bei zahlreichen namhaften Karnevalsgesellschaften. Im Sommer war seine Kapelle gern gesehener Gast auf verschiedenen rheinischen Schützenfesten und auch die Pflege der traditionellen Kirchenmusik kam unter seiner Führung nie zu kurz. Ihm verdanken wir das wertvolle Notenarchiv unserer Kapelle, das er in mühevoller Arbeit restauriert und fortgeführt hat.

 

Hans Bally

 

 

 

In den 1980er Jahren widersetzte sich ein weiterer Kölner Orchesterleiter dem allgemeinen Happysound- und Big-Band-Trend: Werner Brock. Er war studierter Schlagzeuger und Cellist, hatte unmittelbar nach dem Krieg im Orchester von Fritz Weber (in Köln bekannt als der singende Geiger) angefangen und wechselte später als Schlagzeuger ins WDR-Unterhaltungsorchester. Bereits 1967 hatte er mit den Kölner Musikanten eine eigene Kapelle gegründet. Hierbei handelte es sich zunächst um eine kleine, eher volkstümlich orientierte Blaskapelle für die Brock mehrere Volksmusik-Suiten über verschiedene rheinische und westfälische Landschaften komponiert hatte.

Die Kölner Musikanten waren keine dauerhafte Einrichtung, es handelte sich vielmehr um ein Projektorchester, welches Werner Brock je nach Anlass aus professionellen Musikern zusammenstellte. Im Jahr 1981 spielte er die von ihm komponierte "Kölsche Mess für Urjel, Trööt un Trumm", welche zuvor während eines Pontifikalamtes zum 100-jährigen Jubiläum der Großen Kölner KG in der Basilika St. Aposteln aufgeführt worden war, auf Schallplatte ein.

In der Folgezeit erweiterte Werner Brock die Kölner Musikanten zu einem 25-köpfigen, komplett besetzten sinfonischen Blasorchester. Aufgrund der professionellen Struktur seiner Kapelle gelang es ihm, einen Klangkörper von höchster musikalischer Qualität zu schaffen. In den folgenden Jahren wandte Brock sich auch immer mehr der Musik des Kölner Karnevals zu. Die Kölner Musikanten spielten die Klassiker von Willi Ostermann ebenso wie die Märsche der Kölner Traditionskorps.

Im Jahr 1985 folgte im Auftrag der Großen Kölner KG und des WDR eine Doppel-LP mit historischen Karnevalsmärschen und Liedern von Fritz Hannemann und Heinrich Frantzen. Insgesamt komponierte und arrangierte Werner Brock über 300 Werke für Blasorchester. In den 1990er Jahren avancierte er mit seinen Musikern schließlich zum inoffiziellen Blasorchester des Westdeutschen Rundfunks. So konnte man die Kölner Musikanten jedes Jahr zur Sessionseröffnung am 11.11. im Funkhaus am Wallrafplatz mit hervorragender Blasmusik erleben, welche im Rundfunk und Fernsehen live übertragen wurde.  Die Musik und die Struktur dieses Orchesters inspirierte eine neue Generation junger Musiker, welche Mitte der 1990er Jahre ihre ersten Schritte im Kölner Karneval unternahmen.

 

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