1695 - 1745

Die Geburt der Blasmusik in Köln

 

Im Januar 1695 beschloss der Rat der Stadt Köln die Aufstellung einer städtischen Musikkapelle für das Regiment der Kölner Stadtsoldaten. Zu jener Zeit war Köln als freie Reichstadt ein weitgehend unabhängiger Stadtstaat, der aber verpflichtet war, im Kriegsfall ein Militärkontingent zur Reichsarmee zu stellen. Wie alle Militärmusiker dieser Epoche wurden die Angehörigen der Musikkapelle als "Hautboist" (sprich: "Oboist") bezeichnet. Im Gegensatz zu den Tambours, welche unmittelbar den jeweiligen Kompanien unterstellt waren, nahmen die Hautboisten eine Sonderstellung ein, so dass sie in die Gesamtzählung der Offiziere und Soldaten nicht einbegriffen wurden. Finanziert wurde die Kapelle ebenso wie das gesamte Stadtmilitär aus dem städtischen Etat.

Enstprechend traten die Musiker der "Stadt-Hautboisten-Kapelle" in der Uniform der Kölner Stadtsoldaten auf: roter Uniformrock mit weißen Aufschlägen und weißen Kniebundhosen, dazu ein schwarzer Dreispitz. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte die städtische Kapelle eine Stärke von sechs Musikern. Dies entsprach den üblichen Gegebenheiten in allen Regimentern der kaiserlichen Armee. Die Besetzung bestand zunächst lediglich aus den Instrumenten Oboe und Fagott. Neben Militärmärschen war es üblich, dass die Regimentshautboisten auch sogenannte Suitensätze wie Entree oder Menuette spielen konnten.

Wer die Leitung der Hautboisten in den ersten Jahren innehatte ist unbekannt. Erst im August 1700 schuf der Stadtrat die Position eines "Ratskapellmeisters". Dieses Amt übernahm der im Jahr zuvor ernannte Domkapellmeister Carl Rosier nun zusätzlich. Carl Rosier stammte aus Lüttich und war vor seiner Anstellung in Köln als Musiker in der kurfürstlichen Hofkapelle in Bonn tätig gewesen und hatte einige Zeit als Komponist in den Niederlanden verbracht. Aufgrund seines Werdeganges war Rosier als Kapellmeister und Komponist eine überaus angesehene und geschätzte Persönlichkeit. 

Ab 1722 wurden die Stadt-Hautboisten auch zur Ergänzung der nur aus Streichern bestehenden Domkapelle herangezogen, wenn dort zur Aufführung feierlicher Messen Bläser benötigt wurden. Darüber hinaus sind auch regelmäßige Einsätze zu den verschiedenen Kirmessen und Prozessionen der Kölner Innenstadt-Pfarreien belegt. Somit bildete die städtische Kapelle einen wesentlichen Faktor im öffentlichen Musikleben der Stadt Köln.

Nach dem Tode Carl Rosiers wurde am 13. September 1726 Theodor Eltz zum neuen Dom- und Ratskapellmeister ernannt.

 

 

1745 - 1783

Der Wandel von Hautboisten zur Harmoniebesetzung

 

Ab 1745 wurde die städtische Musikkapelle auf acht Musiker vergrößert und das Instrumentarium schrittweise erweitert, wodurch sich die bisherige Hautboisten-Truppe hin zu einer komplett besetzten Harmonie-Musik wandelte. Schon einige Jahre zuvor war das Horn als zusätzliches Instrument eingeführt worden.  Es folgten die Klarinetten in den verschiedenen Stimmungen C, b und A. Im Jahr 1745 wurde das Orchester schließlich durch drei Trompeter ergänzt. Zu besonderen Anlässen wurde die Kapelle sogar um einen Pauker, ein Serpent sowie um eine weitere Trompete und ein weiteres Horn verstärkt. Trotz dieser Weiterentwicklung behielten die Musiker ihre traditionelle Bezeichnung als "Hautboisten".

Die Hautboisten-Banda war der ersten Kompanie der Stadtsoldaten unterstellt. Die Leitung hatte weiterhin der städtische Dom- und Ratskapellmeister, der selber aber keinen militärischen Rang bekleidete. Im Jahr 1747 wurde daher der Hautboist Johann Willem Wolter zum Musikmeister der Stadtkapelle ernannt und leitete diese fortan bei allen militärischen Einsätzen. Die musikalische Gesamtleitung lag aber weiterhin in den Händen des Dom- und Ratskapellmeisters Theodor Eltz.

Neben dem militärischen Zeremoniell bestimmte besonders die in Köln nahezu omnipräsente Kirchenmusik den Alltag der Stadt-Hautboisten. So wurden sie vom Domkapitel alljährlich zu den Prozessionen an Christi Himmelfahrt, zu Pfingsten und am Fronleichnamstag verpflichtet, stets in ihrer städtischen Uniform! Zudem hatten sie als Militärkapelle in den Samstagsandachten und an den Marienfesten in der (im Zweiten Weltkrieg zerstörten) Ratskapelle St. Maria in Jerusalem anstelle eines Orgelspiels zu musizieren.

Ein besonderes Ereignis war immer die Wahl und anschließende Krönung eines neuen Kaisers. Hierzu richtete der Rat der Stadt Köln stets einen großen Festtag aus. Zu Sonnenauf- und Untergang spielte die "Magistrats-Hautboisten-Banda" eine je einstündige feierliche Turmmusik vom Rathausturm. Am Abend folgte auf dem Altermarkt ein Konzert samt prächtiger Illumination und Feuerwerk. Im Anschluss spielten die Musiker zur Tafelmusik im Rathaus, während beim Volksfest auf den Straßen und Plätzen die Pauker und Trompeter "die ganze Nacht hindurch allerhand schöne Märsche, Feldstücke und dergleichen geblasen haben".

Nachdem Johann Willem Wolter aus dem Dienst ausgeschieden war übernahm 1764 der bisherige Fagottist Michael Frantzen die Aufgaben des Musikmeisters der Stadt-Hautboisten-Kapelle.

Neben den dienstlichen Militär- und Kirchenmusikeinsätzen entwickelte sich dank eines blühenden Kulturlebens auch immer stärker die Möglichkeit eines "ausserdienstlichen Auftretens" der städtischen Musiker bei öffentlichen Veranstaltungen. Im Jahr 1771 erließ der Rat der Stadt Köln daher neue Bestimmungen für die städtische Musikkapelle:

Der Rat genehmigte, dass "die bei hiesigem Bataillon stehenden Hautboisten bei den öffentlichen Bällen, Konzerten, Komödien und Opern" spielen dürfen, aber dass "um aller Beschwernis und Überforderung vorgekehrt werde, so werden vorbesagte Hautboisten ernstlich angewiesen, bei jeder dergleichen Vorfalleinheiten nach folgender Tax-Ordnung sich zu fügen:

1. sollen dieselben von einem Nachtball jeder ein mehreres nicht denn zwei Florin fordern.

2. von einem Konzert 30 Stüber

3. von einer Komödie oder Opera ebenfalls 30 Stüber zu fordern berechtigt sein."

Nach dem Tod von Theodor Eltz wurde das Amt des Dom- und Ratskapellmeisters getrennt. Neuer Ratskapellmeister wurde im Jahr 1775 der bisherigen Stadt-Hautboist Anton Götzscher. Er war bereits seit 1762 in städtischen Diensten und übernahm nun die alleinige Leitung der Kapelle.

 

 

1784 - 1794

Des Freiherrn von Mylius Kapelle

 

In den 1770er Jahren hatten sich bei den Stadtsoldaten jene Zustände eingestellt, die bis heute zu ihrem legendären Ruf beitragen. Die Truppe war spärlich besoldet, die Disziplin war schlecht und auch innerhalb der Kölner Bevölkerung erfreuten sie sich keiner großen Beliebtheit. Man bezeichnete sie abschätzig als "Funken". Viele Stadtsoldaten gingen einer bezahlten Nebentätigkeit nach, um überhaupt über die Runden zu kommen. Als die Kölner ein Kontingent zur Reichsarmee stellen mussten, kam es beim ersten Gefecht angeblich zu folgender Szene: Nachdem die gegnerischen Truppen ihre erste Salve abgefeuert hatten riefen die Kölner Stadtsoldaten empört: "Hürt op zo scheße! Süht ehr dann nitt, dat he Lück stonn?!"

So konnte es nicht weitergehen, eine Militärreform musste her. Im Jahr 1784 ernannte der Rat der Stadt Köln Caspar Josef Carl von Mylius zum neuen Stadtkommandanten. Von Mylius, Sohn eines Kölner Bürgermeisters, war bereits 1766 als Offizier in die kaiserliche Armee eingetreten und kehrte nun als Obrist-Leutnant und Generaladjutant des niederheinisch-westfälischen Reichskreises aus Wien nach Köln zurück. Seine Reform des städtischen Militärs trug schnell Früchte, so dass die Kölner Stadtsoldaten schon nach kurzer Zeit wieder als diszipliniert und voll einsatzfähig galten.

Offensichtlich wusste der Freiherr von Mylius eine gute Musik ebenfalls zu schätzen und sorgte dafür, dass auch die Hautboisten wieder auf Vordermann gebracht wurden. So bewilligte der Stadtrat im Dezember 1787 die stolze Summe von 280 Gulden um die städtische Kapelle komplett mit neuen Instrumenten auszustatten.

 

Ein Kölner Stadt-Hautboist um das Jahr 1790.

 

 

1794 wurde von Mylius zurück ins kaiserliche Hauptquartier kommandiert. Als Zeichen der engen Verbundenheit mit seinen Kölner Stadtsoldaten blieb er ehrenhalber Inhaber der 1. Kompanie, zu der auch die Hautboisten-Banda zählte. Kompanie und Kapelle trugen fortan den Titel "Von-Mylius-Kompanie".

Dass der Freiherr von Mylius ein großer Musikliebhaber war, belegt noch eine weitere Anekdote: Nach seinem Tod fand man in seinem Nachlass einen Notensatz aus dem Jahr 1781, den er wohl aus Wien mitgebracht hatte. Es handelt sich um die älteste vorhandene Ausgabe des Liedes vom treuen Husaren, also jenes Werk, welches später das populärste Karnevalslied aller Zeiten werden sollte und bis zur Entstehung von Ostermanns "Heimweh nach Köln" im Jahr 1936 als inoffizielle Kölner Nationalhymne galt. Da der Notensatz eindeutig auf das Jahr 1781 datiert werden konnte, kann als sicher angenommen werden, dass bereits die Kölner Stadt-Hautboisten diese Melodie für ihren Kommandanten von Mylius aufgeführt haben dürften.

Nach seiner Entlassung aus der kaiserlichen Armee kehrte der mittlerweile zum Feldmarschalleutnant beförderte Freiherr von Mylius im Jahr 1805 wieder nach Köln zurück. Er bezog auf Schloss Reuschenberg nahe der Ortschaft Bürrig im heutigen Leverkusen seinen Altersruhesitz, wo er im Jahr 1831 verstarb. Der umtriebige Freiherr ist dort bis heute in bester Erinnerung geblieben. Vor der Bürriger Pfarrkirche zeigt ein Denkmal den Freiherrn von Mylius in Husarenuniform.

 

 

1794 - 1813

Unter französischer Herrschaft

 

Im Oktober 1794 stand die französische Revolutionsarmee vor den Toren Kölns. Aus taktischen Gründen wurde die Stadt kampflos den Franzosen überlassen. Zuvor waren die Stadtsoldaten aus Köln abgezogen, um sich im Süden der Reichsarmee anzuschließen. Dort verteidigten sie in siegreichen Schlachten die Stadt Mainz und später die Festung Philippsburg erfolgreich gegen die Franzosen. Köln hingegen wurde für die kommenden 20 Jahre eine französische Stadt.

Die Hautboisten hatten die Stadt nicht mit den Stadtsoldaten verlassen, sondern waren in Köln verblieben. Hier spielten sie zunächst weiterhin zu kirchlichen Anlässen, wie etwa dem Kirchweihfest der Ratskapelle oder zu den Exequien für den verstorbenen Bürgermeister v. Stattlohn. Darüber hinaus wurde die Kapelle nun aber auch von der französischen Verwaltung eingesetzt: Am 21. September 1797 wurde zum französischen Nationalfeiertag auf dem Gülichplatz ein sogenannter Freiheitsbaum errichtet. Hierzu fand ein Festzug vom Rathaus "unter Voranschreiten der herz-erhebenden (französischen) Feldmusik und der sanft-berauschenden Stadtmusik" statt. 

Der Chronist Klaus Niemöller vermerkte hierzu: "Die musikalische Ausgestaltung der Siegesfeiern, patriotisch-republikanischen Feste, Bürgerfeste und der späteren Feiern der Napoleonischen Ära standen im denkbar krassesten Gegensatz zu dem bisherigen, von der Kirchenmusik bestimmten Musikleben der Stadt."

Die Namen der Stadt-Hautboisten jener Zeit sind in einer Pensionsliste erhalten geblieben: Neben dem Kapellmeister Anton Götzscher, der es auf eine Dienstzeit von über 40 Jahren gebracht hatte waren dies: Michael Frantzen mit 33 Jahren Dienstzeit, Christian Wolter mit 30 Jahren Dienstzeit, Reiner Obelin mit 23 Jahren Dienstzeit, Anton Lüttgen und Peter Klein mit jeweils 8 Jahren Dienstzeit, sowie die erst seit 1793 dienenden Paul Lüttgen und Benedikt Kuth.

Im Jahr 1798 erhielten die Musiker der Stadtkapelle neue Uniformen: Die roten stadt-kölnischen Uniformen wurden durch blaue Uniformen im französischen Stil mit weißen Aufschlägen und Rabatten ersetzt. Außerdem wurde die Kapelle bei besonderen Anlässen nun auf bis zu 20 Musiker aufgestockt.

 

 

1798 erhielten die Stadt-Hautboisten Uniformen im französischen Stil.

 

 

Doch bereits zwei Jahre später entschied der Kölner Magistrat, die finanzielle Unterstützung der städtischen Kapelle einzustellen. Die Kapelle wurde in der Folgezeit vom Kapellmeister Anton Götzscher mehr oder weniger privat organisiert und vom Magistrat für Veranstaltungen jeweils einzeln bestellt und bezahlt. Glücklicherweise durften die Musiker ihre Instrumente und Uniformen behalten. Trotz der Ausgliederung aus dem öffentlichen Dienst wurde das Orchester auch weiterhin als Stadt-Hautboisten-Kapelle bezeichnet. 

So spielten die Stadt-Hautboisten im Jahr 1804 zu den Kölner Feierlichkeiten anlässlich der Thronbesteigung Napoleons ebenso wie zum Besuch des französischen Kaisers in Köln. Im selben Jahr wurde, nach neunjährigem Verbot, die Fronleichnamsprozession wieder zugelassen. Wie zu reichsstädtischer Zeit spielte die Stadtkapelle nun wieder in jedem Jahr zu diesem wichtigsten kirchenmusikalischen Ereignis auf. Ebenso musizierte sie weiterhin zu Sieges- und Nationalfesten sowie im Jahr 1811 zur Feier der Geburt von Napoleons Sohn.

 

Der letzte Einsatz unter Anton Götzschers Leitung fand am 22. März 1811 zum Laetare-Fest von St. Pantaleon statt.  Am 20. Juli 1811 verstarb Kapellmeister Götzscher im Alter von 85 Jahren, nach 49 Jahren als städtischer Musiker, davon 36 Jahre als Kapellmeister. Als Nachfolger erscheint zunächst Angelus Eisenmann, kurz darauf aber der seit 1793 aktive Stadt-Hautboist Benedikt Kuth. Unter seiner Leitung spielte die Kapelle im Jahr 1812 zur Fronleichnamsprozession und am 30. Oktober des selben Jahres zu einem Te Deum im Dom mit anschließendem Festzug anlässlich des Sieges Napoleons über die Russen (Einnahme der Stadt Moskau). Am 21. September 1813 fand schließlich der letzte dokumentierte Einsatz der Kapelle anlässlich des französischen Nationalfestes statt. Damit endete nach 118 Jahren die Existenz der ersten Kölner Stadtkapelle.

 

1814 - 1899

Die Preußen kommen

 

In Folge der Niederlage Frankreichs in der Leipziger Völkerschlacht zogen die Franzosen am 14. Januar 1814 aus Köln ab. Die Kölner hofften sehr auf eine Wiederherstellung der Unabhängigkeit ihrer Stadt, doch der Wiener Kongress entschied, die Stadt Köln sowie die gesamten Rheinlande dem Königreich Preußen zuzuschlagen. Daher zogen nun preußische Regimenter in die Stadt ein. Diese brachten ihre hervorragenden Militärkapellen mit, welche in den folgenden Jahrzehnten einen großen Teil des Kölner Musiklebens bestimmen sollten.

Im Gegensatz zu den französischen Militärkapellen, denen ein außerdienstliches Auftreten im kirchlichen und zivilen Rahmen verboten war, spielten die preußischen Militärmusiker nun neben Paraden und Appellen auch zu den beliebten Sommer- oder Winterkonzerten, öffentlichen Feiern und Festakten. Durch das öffentliche Auftreten der Militärmusiker hofften die am Rhein äußerst unbeliebten Preußen, in der Bevölkerung zumindest eine gewisse Akzeptanz erreichen zu können. Darüber hinaus stellten die preußischen Militärkapellen nun, wie zuvor die Stadt-Hautboisten, die Blech- und Holzbläser für die Domkapelle. Eine städtische Musikkapelle wurde daher nicht länger benötigt, was dazu führte, dass die Stadt-Hautboisten-Kapelle nach dem Abzug der Franzosen nicht reorganisiert wurde.

An ihre Stelle traten nun also die preußischen Militärkapellen, namentlich die Kapelle des 3. Rheinischen Landwehr-Regimentes unter Musikmeister Karl Almenräder  und die Kapelle des 2. Rheinischen Schützenbataillons unter der Leitung von Kapellmeister Wolff. Unmittelbar nach dem Abzug der Franzosen war bereits das Musikkorps des königlich sächsischen Armee-Korps in Köln eingerückt. Diese Kapelle erfreute sich bei den Kölnern größter Beliebtheit. Zu besonderen Anlässen wurden nun sogenannte "Monstre-Konzerte" veranstaltet, zu denen alle drei Kapellen gemeinsam aufspielten.

In den 1820er Jahren wurden die Infanterie-Regimenter Nr. 25 und Nr. 28 mit ihren Musikkapellen nach Köln verlegt. Letzteres hatte im Jahr 1815 unter dem Kommando des Herzogs von Wellington in der Schlacht von Waterloo mitgefochten. Am 24. April 1826 besuchte der Herzog von Wellington die Stadt Köln und nahm persönlich auf dem Neumarkt eine Parade des Regiments ab. Beeindruckt von der Qualität der Musikkapelle stiftete er dieser zum Dank und zur Erinnerung einen eigenen Schellenbaum, welcher künftig voller Stolz bei jedem Einsatz der Kapelle vorangetragen wurde. Vom Kapellmeister der 28er, Johann Kelch, stammt auch der älteste noch erhaltene Kölner Marsch, der Armeemarsch 114 aus dem Jahr 1839. Die Noten zu diesem Marsch befinden sich im Archiv der Stadtkapelle Köln.     

Der Chronist Heinz Oepen vermerkte weiter über jene Zeit: "Die Rheinau und das Gartenlokal Renner in Deutz boten einer unbegrenzten Zahl von Zuhörern Gelegenheit, den repräsentativen Schaukonzerten beizuwohnen. In diesen Konzerten hörte man überwiegend Opernmusik, vor allem Ouvertüren. Sechs verschiedene Ouvertüren in einem Programm waren durchaus keine Seltenheit. Carl Maria von Weber, Marschern, Spohr, Meyerbeer, Auber, und Rossini waren die bevorzugten Komponisten. Es fehlte auch nicht an Modetänzen und Karnevalsliedern. Von Labitzky und Lanner erklangen die ersten Walzer. Natürlich war auch die Marschmusik stark vertreten. Die Militärkonzerte bedeuteten in diesem Zeitabschnitt eine wesentliche Bereicherung des Kölner Konzertwesens."

Bereits im Jahr 1823 hatte sich das Festordnende Komitee des Kölner Karnevals gegründet. Dieses führte eine umfassende Reform des Karnevals durch und organisierte im selben Jahr den ersten Rosenmontagszug.  Die um weitere Akzeptanz bemühten Preußen stellen hierzu gerne ihre Militärkapellen, aber auch Pferde und Fuhrwerke zur Verfügung.

 

Im Jahr 1851 fand ein erneuter Garnisonswechsel statt: Die 25er und 28er zogen aus Köln ab, dafür wurde das Füsilier-Regiment 33 mit seiner Musikkapelle nach Köln verlegt. Die Musikkapelle der 33er stand unter der Leitung von Heinrich Laudenbach. Zur selben Zeit wurden die Bauarbeiten zur Vollendung des Kölner Doms nach einer fast 400-jährigen Unterbrechung wieder aufgenommen. Kapellmeister Laudenbach komponierte hierzu den "Geschwindmarsch über das Kölner Dombaulied", in dem er das Werkgesellenlied der Kölner Dombauhütte verarbeitet hat. Auch dieser Marsch befindet sich im Archiv der Stadtkapelle.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts hin verstärkten die Preußen ihre militärische Präsenz in der Stadt immer weiter. Vor der Jahrhundertwende waren in Köln acht preußische Militärkapellen stationiert:

- Infanterie-Regiment 16 in Mülheim

- Infanterie-Regiment 53 in Kalk

- Infanterie-Regiment 65 in Riehl (Boltensternstr.)

- Pionier-Batallion 7 und Pionier-Batallion 24 in Riehl (Boltensternstr.)

- Bergisches Feldartillerie-Regiment 59 in Riehl (Barbarastr.)

- Fußartillerie-Regiment 7 am Zugweg (später Arnoldshöhe)

- Kürassier-Regiment 8 in Deutz

 

 

Reinhold Fellenberg, Musikmeister der 8. Kürassiere

 

Zum Karneval tauschten die Militärmusiker regelmäßig ihre preußisch-blauen Uniformen gegen die Uniformen der mittlerweile gegründeten Kölner Traditionskorps. Musikkorps und Spielleute der 16er spielten mit Unterbrechungen seit ca. 1870 bei den Roten Funken, zunächst unter Kapellmeister Eduard Lüttich, später dann unter Wilhelm Beez. Bei den Blauen Funken spielte die Feldartillerie unter Obermusikmeister Robert Fensch, Komponist zahlreicher Karnevalslieder und Büttenmärsche,  daher von den Kölnern nur „der reitende Mozart“ genannt. Der Ehrengarde ritt u.a. das auswärtige Trompeterkorps eines Großherzoglich-Hessischen Trainbatallions voran, dessen Kapellmeister Friedrich Wilhelm Klein aber gebürtiger Kölner war. Bei der Prinzengarde musizierten an der Spitze Spielleute und Musikkorps der 65er unter Obermusikmeister Emil Lattermann. Vor dem Prinzenwagen spielte bereits seit ca. 1875 das populärste Kölner Musikkorps: Das berittene Trompeterkorps der Deutzer Kürassiere, lange Jahre unter der Leitung des legendären Reinhold Fellenberg, Komponist zahlreicher Korps- und Büttenmärsche. Er schrieb u.a. den Marsch der Blauen Funken und ergänzte den Marsch der Roten Funken um das bekannte Trio "ritsch, ratsch, die Botz kapott". In Würdigung seiner Leistungen nannte man ihn schlicht den "Trompeter von Köln". So waren es ausgerechnet preußische Kapellmeister, zumeisst auch noch von auswärts, welche die kölnische Blasmusiktradition im 19. Jahrhundert maßgeblich mitgestalteten und ausbauten.

 

Robert Fensch als Kapellmeister der Blauen Funken.
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