1695 - 1745

Die Geburt der Blasmusik in Köln

 

Im Januar 1695 beschloss der Rat der Stadt Köln die Aufstellung einer städtischen Musikkapelle für das Regiment der Kölner Stadtsoldaten. Zu jener Zeit war Köln als freie Reichstadt ein weitgehend unabhängiger Stadtstaat, der aber verpflichtet war, im Kriegsfall ein Militärkontingent zur Reichsarmee zu stellen. Das Ratsprotokoll vom 12. Januar 1695 vermerkt eine Anweisung an die Freitagsrentkammer, welche für die Bezahlung des städtischen Militärs zuständig war, entsprechende Soldzahlungen an die Musiker vorzunehmen. Wie alle Militärmusiker dieser Epoche wurden die Angehörigen der Musikkapelle als "Hautboist" (sprich: "Oboist") bezeichnet.

Enstprechend traten die Musiker der "Stadt-Hautboisten-Kapelle" in der Uniform der Kölner Stadtsoldaten auf: roter Uniformrock mit weißen Aufschlägen und weißen Kniebundhosen, dazu ein schwarzer Dreispitz. Die Kapelle hatte eine Stärke von sechs Musikern. Die Besetzung bestand zunächst nur aus den Instrumenten Oboe und Fagott. Neben Militärmärschen war es üblich, dass die Regimentshautboisten auch sogenannte Suitensätze wie Entree oder Menuette spielen konnten.

Daher wurden die Stadthautboisten nicht nur zur Militärmusik eingesetzt. Sie wurden ebenso zu Aufführungen herangezogen, die in speziellen Angelegenheiten des Rates oder der gesamten Stadt veranstaltet wurden. So spielten sie im Jahr 1697 zum "Dankfest wegen des Sieges in Ungarn und des geschlossenen Friedens" und ein Jahr später zur feierlichen Überführung der Reliquien des hl. Hermann-Josef in die Ratskapelle. Die Kirchenmusik zählte von Beginn an zu den zentralen Aufgaben der städtischen Musiker. Laut Ratsprotkoll vom 23. April 1698 ist "denen Hautboistenpfeifferen bey der in der Rhattscapellen angefangenen sambstagiger Devotion zur Vermehrung der Andacht mit ihren musicalischen Instrumentis allemahlen beyzuwohnen befohlen worden."

In den ersten Jahren verfügte die Kapelle noch über keinen eigenen Kapellmeister. Die Unterweisung der Hautboisten geschah je nach Bedarf durch den Kapellmeister von St. Gereon oder den Domkapellmeister. Erst im August 1700 schuf der Stadtrat die Position eines "Ratskapellmeisters". Dieses Amt übernahm der im Jahr zuvor ernannte Domkapellmeister Carl Rosier nun zusätzlich. Carl Rosier stammte aus Lüttich und war vor seiner Anstellung in Köln als Musiker in der kurfürstlichen Hofkapelle in Bonn tätig gewesen und hatte einige Zeit als Komponist in den Niederlanden verbracht. Aufgrund seines Werdeganges war Rosier als Kapellmeister und Komponist eine überaus angesehene und geschätzte Persönlichkeit. 

Im Herbst 1703 zeigten die Hautboisten erstmals typische Verhaltenszüge eines Kölner Stadtsoldaten: Wegen unerlaubten Verlassens ihrer Truppe wurden alle Musiker inhaftiert und ihnen wurde der Sold entzogen. Das Ratsprotokoll vom 21. November 1703 vermerkte: "Dem Herrn  Major von Lüninghausen wird hiemit aufgegeben, die bey ihme stehende Stadt-Cölnische Hautboisten alsobald zu dimittieren und hiehin zu schicken...". Glücklicherweise wurde die Angelegenheit nach mehreren Eingaben gütlich geregelt: " Auf die ahn Seithen hiesiger Stadt Hautboisten vergeben und verlesene underthänigste gehorsambste Anzeige und Pitt, sind dieselbe aus bewegenden Ursachen des Arrest in Gnaden entlassen."

Die Chronistin Ursel Niemöller berichtete: "Nach der Zahlliste für den Dezember 1705 hatte die Stadt Köln sechs Hautboisten, die zur ersten der drei stadtkölnischen Kompanien gehörten und monatlich zusammen 24 Reichsthaler Sold erhielten.  Sie nahmen eine Sonderstellung innerhalb des Regiments ein, was daraus hervorgeht, daß sie in der Gesamtzählung der Offiziere und Soldaten nicht einbegriffen wurden. Darüber hinaus verfügte jede Kompanie über drei Tambours, die erste Kompanie noch über einen Querpfeifer. Anzahl und Stellung der Hautboisten entsprach der allgemeinen militärmusikalischen Organisation Deutschlands nach 1700." Für die hohe musikalische Qualität der Kölner Stadt-Hautboisten unter Carl Rosiers Leitung spricht, dass im Jahr 1706 die Hautboisten Matthias Steckeler, Johann Weißkirchen und Heinrich Muntz an den sächsischen Hof nach Dresden berufen wurden.

Ab dem Jahr 1722 wurden die Stadt-Hautboisten auch zur Ergänzung der nur aus Streichern bestehenden Domkapelle herangezogen, wenn dort zur Aufführung feierlicher Messen Bläser benötigt wurden. Darüber hinaus sind auch regelmäßige Einsätze zu den verschiedenen Kirmessen und Prozessionen der Kölner Innenstadt-Pfarreien belegt. Somit bildete die städtische Kapelle einen wesentlichen Faktor im öffentlichen Musikleben der Stadt Köln. Nach dem Tode Carl Rosiers wurde am 13. September 1726 Theodor Eltz zum neuen Dom- und Ratskapellmeister ernannt.

 

 

1745 - 1783

Im Wandel von Hautboisten zur Harmoniebesetzung

 

Zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die städtische Kapelle vergrößert und das Instrumentarium schrittweise erweitert, wodurch sich die bisherige Hautboisten-Truppe zu einer komplett besetzten Harmonie-Musik wandelte. Zunächst wurde das Horn als zusätzliches Instrument eingeführt. Es folgten die Klarinetten in den verschiedenen Stimmungen C, b und A. Im Jahr 1745 wurde das Orchester schließlich durch drei Trompeter ergänzt. Zu besonderen Anlässen wurde die Kapelle sogar um einen Pauker, ein Serpent sowie um eine weitere Trompete und ein weiteres Horn verstärkt. Trotz dieser Weiterentwicklung behielten die Musiker ihre traditionelle Bezeichnung als "Hautboisten".

Die Hautboisten-Kapelle war der ersten Kompanie der Stadtsoldaten unterstellt. Die Leitung hatte weiterhin der städtische Dom- und Ratskapellmeister, der selber aber keinen militärischen Rang bekleidete. Im Jahr 1747 wurde daher der Hautboist Johann Willem Wolter zum Musikmeister der Stadtkapelle ernannt und leitete diese fortan bei allen militärischen Einsätzen. Die musikalische Gesamtleitung lag aber weiterhin in den Händen des Dom- und Ratskapellmeisters Theodor Eltz.

Neben dem militärischen Zeremoniell bestimmte besonders die in Köln nahezu omnipräsente Kirchenmusik den Alltag der Stadt-Hautboisten. So wurden sie vom Domkapitel alljährlich zu den Prozessionen an Christi Himmelfahrt, zu Pfingsten und am Fronleichnamstag verpflichtet, stets in ihrer städtischen Uniform! Zudem hatten sie weiterhin als Militärkapelle in den Samstagsandachten und an den Marienfesten in der (im Zweiten Weltkrieg zerstörten) Ratskapelle St. Maria in Jerusalem anstelle eines Orgelspiels zu musizieren.

Ein besonderes Ereignis war immer die Wahl und anschließende Krönung eines neuen Deutschen Kaisers. Hierzu richtete der Rat der Stadt Köln in der Regel einen großen Festtag aus. Zu Sonnenauf- und Untergang spielte die "Magistrats-Hautboisten-Banda" eine je einstündige feierliche Turmmusik vom Rathausturm. Am Abend folgte auf dem Altermarkt ein Konzert samt prächtiger Illumination und Feuerwerk. Im Anschluss spielten die Musiker zur Tafelmusik im Rathaus, während beim Volksfest auf den Straßen und Plätzen die Pauker und Trompeter "die ganze Nacht hindurch allerhand schöne Märsche, Feldstücke und dergleichen geblasen haben".

Nachdem Johann Willem Wolter aus dem Dienst ausgeschieden war übernahm 1764 der bisherige Fagottist Michael Frantzen die Aufgaben des Musikmeisters der Stadt-Hautboisten-Kapelle.

Neben den dienstlichen Militär- und Kirchenmusikeinsätzen entwickelte sich dank eines blühenden Kulturlebens auch immer stärker die Möglichkeit eines "ausserdienstlichen Auftretens" der städtischen Musiker bei öffentlichen Veranstaltungen. Im Jahr 1771 erließ der Rat der Stadt Köln daher neue Bestimmungen für die städtische Musikkapelle:

Der Rat genehmigte, dass "die bei hiesigem Bataillon stehenden Hautboisten bei den öffentlichen Bällen, Konzerten, Komödien und Opern" spielen dürfen, aber dass "um aller Beschwernis und Überforderung vorgekehrt werde, so werden vorbesagte Hautboisten ernstlich angewiesen, bei jeder dergleichen Vorfalleinheiten nach folgender Tax-Ordnung sich zu fügen:

1. sollen dieselben von einem Nachtball jeder ein mehreres nicht denn zwei Florin fordern.

2. von einem Konzert 30 Stüber

3. von einer Komödie oder Opera ebenfalls 30 Stüber zu fordern berechtigt sein."

Nach dem Tod von Theodor Eltz wurde das Amt des Dom- und Ratskapellmeisters getrennt. Neuer Ratskapellmeister wurde im Jahr 1775 der bisherigen Stadt-Hautboist Anton Götzscher. Er war bereits seit 1762 in städtischen Diensten und übernahm nun die alleinige Leitung der Kapelle.

 

 

1784 - 1794

Des Freiherrn von Mylius Kapelle

 

In den 1770er Jahren hatten sich bei den Stadtsoldaten jene Zustände eingestellt, die bis heute zu ihrem legendären Ruf beitragen. Die Truppe war spärlich besoldet, die Disziplin war schlecht und auch innerhalb der Kölner Bevölkerung erfreuten sie sich keiner großen Beliebtheit. Man bezeichnete sie abschätzig als "Funken". Viele Stadtsoldaten gingen einer bezahlten Nebentätigkeit nach, um überhaupt über die Runden zu kommen. Als die Kölner ein Kontingent zur Reichsarmee stellen mussten, kam es beim ersten Gefecht angeblich zu folgender Szene: Nachdem die gegnerischen Truppen ihre erste Salve abgefeuert hatten riefen die Kölner Stadtsoldaten empört: "Hürt op zo scheße! Süht ehr dann nitt, dat he Lück stonn?!"

So konnte es nicht weitergehen, eine Militärreform musste her. Im Jahr 1784 ernannte der Rat der Stadt Köln Caspar Josef Carl von Mylius zum neuen Stadtkommandanten. Von Mylius, Sohn eines Kölner Bürgermeisters, war bereits 1766 als Offizier in die kaiserliche Armee eingetreten und kehrte nun als Obrist-Leutnant und Generaladjutant des niederheinisch-westfälischen Reichskreises aus Wien nach Köln zurück. Seine Reform des städtischen Militärs trug schnell Früchte, so dass die Kölner Stadtsoldaten schon nach kurzer Zeit wieder als diszipliniert und voll einsatzfähig galten.

Offensichtlich wusste der Freiherr von Mylius eine gute Musik ebenfalls zu schätzen und sorgte dafür, dass auch die Hautboisten wieder auf Vordermann gebracht wurden. So bewilligte der Stadtrat im Dezember 1787 die stolze Summe von 280 Gulden um die städtische Kapelle komplett mit neuen Instrumenten auszustatten.

 

Ein Kölner Stadt-Hautboist um das Jahr 1790.

 

 

1794 wurde von Mylius zurück ins kaiserliche Hauptquartier nach Wien kommandiert. Als Zeichen der engen Verbundenheit mit seinen Kölner Stadtsoldaten blieb er ehrenhalber Inhaber der 1. Kompanie, zu der auch die Hautboisten-Banda zählte. Kompanie und Kapelle trugen fortan den Titel "Von-Mylius-Kompanie".

Dass der Freiherr von Mylius ein großer Musikliebhaber war, belegt noch eine weitere Anekdote: Nach seinem Tod fand man in seinem Nachlass einen Notensatz aus dem Jahr 1781, den er wohl aus Wien mitgebracht hatte. Es handelt sich um die älteste vorhandene Ausgabe des Liedes vom treuen Husaren, also jenes Werk, welches später das populärste Karnevalslied aller Zeiten werden sollte und bis zur Entstehung von Ostermanns "Heimweh nach Köln" im Jahr 1936 als inoffizielle Kölner Nationalhymne galt. Da der Notensatz eindeutig auf das Jahr 1781 datiert werden konnte, kann als sicher angenommen werden, dass bereits die Kölner Stadt-Hautboisten diese Melodie für ihren Kommandanten von Mylius aufgeführt haben dürften.

Nach seiner Entlassung aus der kaiserlichen Armee kehrte der mittlerweile zum Feldmarschalleutnant beförderte Freiherr von Mylius im Jahr 1805 wieder nach Köln zurück. Er bezog auf Schloss Reuschenberg nahe der Ortschaft Bürrig im heutigen Leverkusen seinen Altersruhesitz, wo er im Jahr 1831 verstarb. Der umtriebige Freiherr ist dort bis heute in bester Erinnerung geblieben. Vor der Bürriger Pfarrkirche zeigt ein Denkmal den Freiherrn von Mylius in Husarenuniform.

 

 

1794 - 1813

Unter französischer Herrschaft

 

Im Oktober 1794 stand die französische Revolutionsarmee vor den Toren Kölns. Aus taktischen Gründen wurde die Stadt kampflos den Franzosen überlassen. Nur wenige Tage zuvor waren die Stadtsoldaten aus Köln abgezogen, um sich im Süden der Reichsarmee anzuschließen. Dort verteidigten sie in siegreichen Schlachten die Stadt Mainz und später die Festung Philippsburg erfolgreich gegen die Franzosen. Köln hingegen wurde für die kommenden 20 Jahre eine französische Stadt.

Die Hautboisten hatten die Stadt nicht mit den Stadtsoldaten verlassen, sondern waren in Köln verblieben. Hier spielten sie zunächst weiterhin zu kirchlichen Anlässen, wie etwa dem Kirchweihfest der Ratskapelle oder zu den Exequien für den verstorbenen Bürgermeister v. Stattlohn. Darüber hinaus wurde die Kapelle nun aber auch von der französischen Verwaltung eingesetzt: Am 21. September 1797 wurde zum französischen Nationalfeiertag auf dem Gülichplatz ein sogenannter Freiheitsbaum errichtet. Hierzu fand ein Festzug vom Rathaus "unter Voranschreiten der herz-erhebenden (französischen) Feldmusik und der sanft-berauschenden Stadtmusik" statt. 

Der Chronist Klaus Niemöller vermerkte hierzu: "Die musikalische Ausgestaltung der Siegesfeiern, patriotisch-republikanischen Feste, Bürgerfeste und der späteren Feiern der Napoleonischen Ära standen im denkbar krassesten Gegensatz zu dem bisherigen, von der Kirchenmusik bestimmten Musikleben der Stadt."

Die Namen der Stadt-Hautboisten jener Zeit sind in einer Pensionsliste erhalten geblieben: Neben dem Kapellmeister Anton Götzscher, der es auf eine Dienstzeit von über 40 Jahren gebracht hatte waren dies: Michael Frantzen mit 33 Jahren Dienstzeit, Christian Wolter mit 30 Jahren Dienstzeit, Reiner Obelin mit 23 Jahren Dienstzeit, Anton Lüttgen und Peter Klein mit jeweils 8 Jahren Dienstzeit, sowie die erst seit 1793 dienenden Paul Lüttgen und Benedikt Kuth.

Im Jahr 1798 erhielten die Musiker der Stadtkapelle neue Uniformen: Die roten stadt-kölnischen Uniformen wurden durch blaue Uniformen im französischen Stil mit weißen Aufschlägen und Rabatten ersetzt. Außerdem wurde die Kapelle bei besonderen Anlässen nun auf bis zu 20 Musiker aufgestockt und durch eine "türkische Musik" ergänzt. Darunter verstand man in damaliger Zeit eine große und eine kleine Trommel sowie verschieden große Zinndeckel. Es war also sozusagen die Geburt der "decken Trumm".

 

 

1798 erhielten die Stadt-Hautboisten Uniformen im französischen Stil.

 

 

Doch bereits zwei Jahre später entschied der Kölner Magistrat, die finanzielle Unterstützung der städtischen Kapelle einzustellen. Die Kapelle wurde in der Folgezeit vom Kapellmeister Anton Götzscher mehr oder weniger privat organisiert und vom Magistrat für Veranstaltungen jeweils einzeln bestellt und bezahlt. Glücklicherweise durften die Musiker ihre Instrumente und Uniformen behalten. Trotz der Ausgliederung aus dem öffentlichen Dienst wurde das Orchester auch weiterhin als Stadt-Hautboisten-Kapelle bezeichnet. 

So spielten die Stadt-Hautboisten im Jahr 1804 zu den Kölner Feierlichkeiten anlässlich der Thronbesteigung Napoleons ebenso wie zum Besuch des französischen Kaisers in Köln. Im selben Jahr wurde, nach neunjährigem Verbot, die Fronleichnamsprozession wieder zugelassen. Wie zu reichsstädtischer Zeit spielte die Stadtkapelle nun wieder in jedem Jahr zu diesem wichtigsten kirchenmusikalischen Ereignis auf. Ebenso musizierte sie weiterhin zu Sieges- und Nationalfesten sowie im Jahr 1811 zur Feier der Geburt von Napoleons Sohn.

 

Der letzte Einsatz unter Anton Götzschers Leitung fand am 22. März 1811 zum Laetare-Fest von St. Pantaleon statt.  Am 20. Juli 1811 verstarb Kapellmeister Götzscher im Alter von 85 Jahren, nach 49 Jahren als städtischer Musiker, davon 36 Jahre als Kapellmeister. Als Nachfolger erscheint zunächst Angelus Eisenmann, kurz darauf aber der seit 1793 aktive Stadt-Hautboist Benedikt Kuth. Unter seiner Leitung spielte die Kapelle im Jahr 1812 zur Fronleichnamsprozession und am 30. Oktober des selben Jahres zu einem Te Deum im Dom mit anschließendem Festzug anlässlich des Sieges Napoleons über die Russen (Einnahme der Stadt Moskau). Am 21. September 1813 fand schließlich der letzte dokumentierte Einsatz der Kapelle anlässlich des französischen Nationalfestes statt. Damit endete nach 118 Jahren die Existenz der ersten Kölner Stadtkapelle.

Im Jahr 2020 erinnerte die heutige Stadtkapelle an die Aufstellung der historischen städtischen Kapelle vor 325 Jahren mit einer eigens zu diesem Anlass geschaffenen Formation in der Originalbesetzung der Hautboisten des 18. Jahrhunderts.  

 

 

1814 - 1847

Die Preußen kommen

 

In Folge der Niederlage Frankreichs in der Leipziger Völkerschlacht zogen die Franzosen am 14. Januar 1814 aus Köln ab. Die Kölner hofften sehr auf eine Wiederherstellung der Unabhängigkeit ihrer Stadt, doch der Wiener Kongress entschied, die Stadt Köln sowie die gesamten Rheinlande dem Königreich Preußen zuzuschlagen. Daher zogen nun preußische Regimenter in die Stadt ein. Diese brachten ihre hervorragenden Militärkapellen mit, welche in den folgenden Jahrzehnten einen großen Teil des Kölner Musiklebens bestimmen sollten.

Im Gegensatz zu den französischen Militärkapellen, denen ein außerdienstliches Auftreten im kirchlichen und zivilen Rahmen verboten war, spielten die preußischen Militärmusiker nun neben Paraden und Appellen auch zu den beliebten Sommer- oder Winterkonzerten, öffentlichen Feiern und Festakten. Durch das öffentliche Auftreten der Militärmusiker hofften die am Rhein äußerst unbeliebten Preußen, in der Bevölkerung zumindest eine gewisse Akzeptanz erreichen zu können. Darüber hinaus stellten die preußischen Militärkapellen nun, wie zuvor die Stadt-Hautboisten, die Blech- und Holzbläser für die Domkapelle. Eine städtische Musikkapelle wurde daher nicht länger benötigt, was dazu führte, dass die Stadt-Hautboisten-Kapelle nach dem Abzug der Franzosen nicht reorganisiert wurde.

An ihre Stelle traten nun also die preußischen Militärkapellen, namentlich die Kapelle des 3. Rheinischen Landwehr-Regimentes unter Musikmeister Karl Almenräder  und die Kapelle des 2. Rheinischen Schützenbataillons unter der Leitung von Kapellmeister Wolff. Unmittelbar nach dem Abzug der Franzosen war bereits das Musikkorps des königlich sächsischen Armee-Korps in Köln eingerückt. Diese Kapelle erfreute sich bei den Kölnern größter Beliebtheit. Zu besonderen Anlässen wurden nun sogenannte "Monstre-Konzerte" veranstaltet, zu denen alle drei Kapellen gemeinsam aufspielten.

Im Jahr 1823 wurde das Festordnende Komitee des Kölner Karnevals gegründet. Dieses führte eine umfassende Reform des Karnevals durch und organisierte im selben Jahr den ersten Rosenmontagszug.  Die um weitere Akzeptanz bemühten Preußen stellten hierzu gerne ihre Militärkapellen, aber auch Pferde und Fuhrwerke zur Verfügung.

In den 1820er Jahren wurden die Infanterie-Regimenter Nr. 25 und Nr. 28 mit ihren Musikkapellen nach Köln verlegt. Letzteres hatte unter dem Kommando des Herzogs von Wellington in der Schlacht von Waterloo mitgefochten. Am 24. April 1826 besuchte der Herzog von Wellington die Stadt Köln und nahm persönlich eine Parade des Regiments auf dem Neumarkt ab. Beeindruckt von der Qualität der Musikkapelle stiftete er dieser zum Dank und zur Erinnerung einen eigenen Schellenbaum, welcher künftig voller Stolz bei jedem Einsatz der Kapelle vorangetragen wurde. Vom Kapellmeister der 28er, Johann Kelch, stammt auch der älteste noch erhaltene Kölner Marsch, der Armeemarsch 114 aus dem Jahr 1839. Die Noten zu diesem Marsch befinden sich im Archiv der Stadtkapelle Köln.     

Der Chronist Heinz Oepen vermerkte weiter über jene Zeit: "Die Rheinau und das Gartenlokal Rener in Deutz boten einer unbegrenzten Zahl von Zuhörern Gelegenheit, den repräsentativen Schaukonzerten beizuwohnen. In diesen Konzerten hörte man überwiegend Opernmusik, vor allem Ouvertüren. Sechs verschiedene Ouvertüren in einem Programm waren durchaus keine Seltenheit. Carl Maria von Weber, Marschern, Spohr, Meyerbeer, Auber, und Rossini waren die bevorzugten Komponisten. Es fehlte auch nicht an Modetänzen und Karnevalsliedern. Von Labitzky und Lanner erklangen die ersten Walzer. Natürlich war auch die Marschmusik stark vertreten. Die Militärkonzerte bedeuteten in diesem Zeitabschnitt eine wesentliche Bereicherung des Kölner Konzertwesens."

 

 

1848

 Intermezzo

 

Im Jahr 1848 griff die französische Februar-Revolution auf Deutschland über. Besonders in Köln, wo man sich immer noch nicht endgültig mit der preußischen Herrschaft abgefunden hatte, fielen die demokratischen Ideen der Revolution auf einen fruchtbaren Boden. Nachdem es in Berlin zu Straßenschlachten zwischen Befürwortern der demokratischen Reformen und dem preußischen Militär gekommen war, beschlossen die Kölner Stadtverordneten die Aufstellung einer kölnischen Bürgerwehr. Diese wurde zum 13. April aufgestellt. Die Kölner Bürgerwehr umfasste etwa 6.000 Mann in  20 Kompanien, wobei jede Kompanie ein Stadtviertel repräsentierte. Das Personal rekrutierte sich aus dem demokratisch gesinnten Kölner Bürgertum. Die Wehr unterstand dem Stadtrat und wurde von zwei populären Kölner Persönlichkeiten kommandiert: Heinrich von Wittgenstein und Franz Raveaux. Eine Kommission organisierte den Aufbau der Bürgerwehr und dachte dabei sogar an die Aufstellung einer eigenen Musikkapelle.

So kam es im selben Monat zur Gründung des Kölner Bürgerwehr-Musikkorps. Die Musiker entstammten verschiedenen Handwerker- und Gesellen-Vereinen, eigentlich Gesangvereine, die aber auch kleine Orchesterabteilungen unterhielten. Die Leitung der Kapelle hatte ein Lehrer namens W. Herr. Wie sehr improvisiert die Aufstellung dieser Bürgerwehr-Kapelle war, lässt ein Vermerk auf der Ankündigung zum ersten Konzert des neuen Orchesters erkennen: "Die Einnahme ist zur Anschaffung der nötigen Instrumente und Musikalien für das Bürgerwehr-Musikkorps bestimmt."  

Das Konzert fand am 15. Juni 1848 im Gartenlokal Rener in Deutz statt, genau dort, wo sonst eigentlich die preußischen Militärkapellen aufspielten. Das Programm konnte sich sehen lassen: Es wurden Ouvertüren und Walzer von Verdi, Rossini und Weber sowie eine Grande Polonaise von Schönau vorgetragen. Kapellmeister Herr hatte zudem drei Märsche für das neue Musikkorps komponiert. Höhepunkt des Konzertes war aber die Uraufführung des "Kölner Bürgerwehrliedes" von Jacques Offenbach. Er war aufgrund der revolutionären Unruhen in Paris nach Köln zurückgekehrt und widmete der Bürgerwehr seiner Heimatstadt nun dieses Werk.

Mitten im Revolutionsjahr wurde im August 1848 der 600. Jahrestag der Grundsteinlegung des Domes gefeiert. Neben dem preußischen König war aus Wien auch der Reichsverweser Erzherzog Johann von Österreich angereist. Am Tag des Dombaufestes zog ein Festzug vom Neumarkt zum Dom, zu dem das Bürgerwehr-Musikkorps zwei Abteilungen, eine zu Fuß und eine zu Pferd, stellen konnte. Am folgenden Tag fand auf dem Neumarkt eine gemeinsame Parade der Bürgerwehr und der gesamten preußischen Garnison vor den beiden hohen Gästen statt. 

Doch schon kurze Zeit später teilte die Kölner Bürgerwehr das Schicksal der letztlich erfolglosen Revolution. Sie wurde nach nur sechs-monatiger Existenz im September 1848 wieder aufgelöst. Was aus ihrer Musikkapelle wurde, ist leider unbekannt.

 

 

 

1849 - 1899

Die Preußen bleiben

 

Im Nachgang der Revolution fand ein erneuter Garnisonswechsel statt: Die 25er und 28er zogen aus Köln ab, dafür wurde u.a. das Füsilier-Regiment 33 nach Köln verlegt. Die Musikkapelle der 33er stand unter der Leitung von Heinrich Laudenbach. Nachdem sich die revolutionären Wogen wieder etwas geglättet hatten, begannen die Kölner sich zunehmend mit der preußischen Herrschaft zu arrangieren. Populäre Maßnahmen taten das Übrige dazu. So wurden die Bauarbeiten zur Vollendung des Kölner Doms nach einer fast 400-jährigen Unterbrechung wieder aufgenommen. Kapellmeister Laudenbach komponierte hierzu den "Geschwindmarsch über das Kölner Dombaulied", in dem er das Werkgesellenlied der Kölner Dombauhütte verarbeitet hat. Dieser Marsch, ebenso wie sein "Marsch von Problus und Prim", fand Aufnahme in die königlich preußische Armeemarschsammlung.

Im Juli 1856 gastierte Wilhelm Wieprecht, der "Director der gesamten Musikchöre des königlichen Garde-Corps in Berlin", zu mehreren Konzerten in Köln. Er formte aus den Kapellen der Regimenter No. 16, 30 und 33 sowie aus der Deutzer Kürassierkapelle ein Orchester von 200 Musikern, mit dem er an vier Abenden im Hotel Belle Vue in Deutz, auf dem Domplatz, im Gertrudenhof und im Schützenhaus in Mülheim aufspielte. Die Kölnische Zeitung berichtete: "Das gestrige große Militärkonzert unter der Leitung des Herrn Wieprecht aus Berlin im Hotel Belle Vue in Deutz war wieder stark besucht. Dabei war das Hotel von einer großen Volksmenge umlagert und die Rheinbrücke (gemeint ist die alte Schiffsbrücke) mit Spaziergängern fast überladen. Unter den angeführten Tonstücken verdient namentlich "Die Schlacht von Vittoria" ihrer Großartigkeit wegen genannt zu werden. Zum Schluß des Konzertes erfolgte die Beleuchtung des Hotels durch bengalische Fackeln."  

Mit der Eröffnung des Zoologischen Gartens im Jahr 1860 und der benachbarten Flora vier Jahre später entstanden im Norden der Stadt zwei neue Treffpunkte der kölnischen Gesellschaft. In beiden Anlagen wurden Musikpavillons errichtet, welche in den Sommermonaten den preußischen Militärkapellen zwei zusätzliche Bühnen für ihre beliebten Konzerte boten.

 

 

 

Im Zoologischen Garten in Riehl, 1865. Rechts im Musikpavillon erkennt man eine preußische Militärkapelle.

 

 

 

Zum Ende des 19. Jahrhunderts verstärkten die Preußen ihre militärische Präsenz in der Stadt immer weiter. Vor der Jahrhundertwende waren in Köln acht preußische Militärkapellen stationiert:

- Infanterie-Regiment 16 in Mülheim

- Infanterie-Regiment 53 in Kalk

- Infanterie-Regiment 65 in Riehl (Boltensternstr.)

- Pionier-Batallion 7 und Pionier-Batallion 24 in Riehl (Boltensternstr.)

- Bergisches Feldartillerie-Regiment 59 in Riehl (Barbarastr.)

- Artillerie-Regiment 7 am Zugweg (später Arnoldshöhe)

- Kürassier-Regiment 8 in Deutz

 

Die Kapellmeister der jeweiligen Musikkorps waren in Köln bekannte und geachtete Persönlichkeiten. Es war eine Zeit, die noch keine Schallplatten oder Radios kannte. Wollte man Musik hören, musste man eine Aufführung besuchen. Die Militärkapellen spielten im Stadt- und im Volksgarten, im Zoologischen Garten, im Saal der Bürgergesellschaft am Appellhofplatz oder in jenem der Lesegesellschaft an der Langgasse. Der Chronist Klaus Schlegel berichtet von einem interessanten Detail: "Übrigens spielte man im Gürzenich, im Zoo oder in der Lese bei den klassischen Konzerten fast immer in Zivil; hier fühlten sich die Hautboisten als Künstler, und der Kapellmeister erschien im Gehrock". Davon, dass sich die Militärmusiker nicht nur als Soldaten sondern eben auch als Künstler verstanden, zeugt ein weiteres Detail: So spielten drei der Militärkapellmeister, Wilhelm Trenks (7. Artill.), Willy Beez (16er) und Max Granzow (53er), über 20 Jahre lang auch noch als Violinisten im renommierten Kölner Gürzenich-Orchester.

Zum Karneval tauschten die Militärmusiker regelmäßig ihre preußisch-blauen Uniformen gegen die Uniformen der mittlerweile gegründeten Kölner Traditionskorps. Musikkorps und Spielleute der 16er spielten mit Unterbrechungen seit ca. 1870 bei den Roten Funken, zunächst unter Kapellmeister Eduard Lüttich, später dann unter Wilhelm Beez. Bei den Blauen Funken spielte die Feldartillerie unter Obermusikmeister Robert Fensch, während der Ehrengarde ab 1902 das auswärtige Trompeterkorps eines Großherzoglich-Hessischen Trainbatallions voranritt, dessen Kapellmeister Friedrich Wilhelm Klein aber gebürtiger Kölner war. Die Spielleute und das Musikkorps des Kölner Hausregimentes Nr. 65 (genannt "Regiment Schmitz") unter Obermusikmeister Emil Lattermann spielten ebenfalls eine Zeit lang für die Roten Funken, seit ihrer Gründung im Jahr 1906 dann aber für die Prinzen-Garde. Vor dem Prinzenwagen selber spielte bereits seit ca. 1875 das populärste Kölner Musikkorps: Das berittene Trompeterkorps der Deutzer Kürassiere.

Die Kapelle der Deutzer Kürassiere, aufgrund ihrer weißen Uniformen von den Kölnern "Mählsäck" genannt, nahm einen Spitzenplatz unter den Kölner Militärkapellen ein. Über zwanzig Jahre, bis 1888 stand die Kapelle unter der Leitung von Musikmeister Gustav Petrowsky, einem gebürtigen Pommern, der in Köln heimisch geworden war. Petrowsky war der erste preußische Kapellmeister der auch schöpferisch Eingang in den Kölner Karneval fand. So komponierte er jedes Jahr einen neuen Büttenmarsch für die Große Karnevalsgesellschaft. Weitere seiner Marschkompositionen tragen Titel wie "Alaaf Köln", "Prinz Carneval" oder "Carnevalistischer Bacchus-Marsch". Auch nach seiner Pensionierung blieb er in Köln, wo er 1896 starb. Die Kölnische Zeitung würdigte ihn mit den Worten: "Bei allen Festen, namentlich im Karneval, war Petrowsky mit seiner Kapelle vielbegehrt und gefeiert. Des chevaleresken Kapellmeisters stets vergnügtes Gesicht und seine verbindlichen Umgangsformen haben ihn zu einer überaus populären Figur in Köln gemacht." Nachfolger von Gustav Pertowsky als Kapellmeister der Deutzer Kürassiere wurde im Jahr 1888 Reinhold Fellenberg.

 

 

 

Reinhold Fellenberg

 

 

Typischerweise stammte auch dieser preußische Kapellmeister nicht aus Köln, sondern aus Schlesien. Fellenbergs Instrument war das Piston, auf dem er als international anerkannter Virtuose galt. Ein Zeitzeuge berichtete: "Nahm Fellenberg das Piston in die Hand, dann war alles Ohr, das begeisterte Publikum wurde nicht müde, dem beliebten Stabstrompeter, dessen kräftige Gestalt mit wallendem Vollbart etwas Imponierendes hatte, zuzuhören. Seine Kapelle hatte er vorzüglich geschult." Die Kürassierkapelle konzertierte regelmäßig im Stadtgarten und in der Bürgergesellschaft, ferner auch im Stapelhaus und im Nippeser Volksgarten. Wie schon sein Vorgänger, fand auch Fellenberg schnell Zugang zum Kölner Karneval. Bereits 1889 erschien sein erster Karnevalsmarsch mit dem Titel "Je toller, je besser".  Ihm folgten zahlreiche weitere Karnevalsmärsche: Der "Präsident-Prior-Marsch", der "Kölner Seehafen Marsch" oder der "Carnevals-Jubel-Marsch von 1902" aber auch eher volkstümliche Titel, wie z.B. "Doh ha´mer der Rään." Von Fellenberg stammt der Regimentsmarsch der Blauen Funken, ebenso die ersten Tänze der Ehrengarde. Seine populärste Tat war aber die Vervollständigung des Marsches der Roten Funken mit dem bekannten Trio "Ritsch, ratsch, die Botz kapott!"

Auch über die Grenzen der Stadt Köln hinaus fanden Fellenbergs Kompositionen Beachtung. Sein Galoppmarsch erhielt den Ritterschlag und wurde in die königlich preußische Armeemarschsammlung aufgenommen. In Deutschland mittlerweile in Vergessenheit geraten, wird dieser Marsch bis zum heutigen Tage von der Kapelle der britischen Lifeguards zuweilen beim Wachwechsel am Buckingham Palace in London gespielt. Weitere bekannte Kompositionen Fellenbergs sind sein "Märchenzauber" (1893) sowie "Allerneueste Nachrichten" (1896).

Reinhold Fellenbergs Ruhm schlug sich schließlich in seinem Spitznamen nieder: Sprach man von Fellenberg, so sprach man schlicht vom "Trompeter von Köln". Er selber nahm diesen Spitznamen bereitwillig an und komponierte sich gleich ein gleichnamiges Konzertwerk, selbstverständlich mit einem herrlichen Piston-Solo. Die Kölner Karnevalisten hingegen hatten ihren eigenen Spitznamen für Reinhold Fellenberg: So wird er bei den Roten Funken bis heute unter dem Namen "Pommery" geführt; wohl ein Hinweis auf Fellenbergs bevorzugte Champagnermarke.  

 

Am 30. Oktober 1906 fand im Stapelhaus Reinhold Fellenbergs Abschiedskonzert zum 40-jährigen Dienstjubiläum und Ausscheiden aus dem aktiven Dienst statt. Das dreiteilige Konzertprogramm umfasste neben Ouvertüren, Walzern und Liedern auch mehrere vom Meister persönlich vorgetragenen Piston-Soli, welche das tausendköpfige Publikum ein ums andere Mal zu Begeisterungsstürmen hinriss. Seinen Ruhestand verlebte Reinhold Fellenberg in Bad Godesberg, wo er in der Brunnenallee 17 eine Villa bezogen hatte, an deren Front in großen Lettern der Schriftzug "Der Trompeter von Köln" prangte. An Rosenmontag machte er sich stets auf den Weg nach Köln, wo er vom Balkon des Café Bauer auf der Hohestraße beim Eintreffen des Zuges seine Piston-Soli schmetterte. Reinhold Fellenberg verstarb am 6. Juli 1912.

Eine weiterer preußischer Militärkapellmeister jener Epoche hat seine Spuren im Kölner Karneval hinterlassen: Robert Fensch, Musikmeister des berittenen Trompeterkorps des Bergischen Feldartillerie-Regimentes Nr. 59. Er war zunächst Musiker in Reinhold Fellenbergs Kürassierkapelle gewesen und kehrte nach absolviertem Studium als Kapellmeister nach Köln zurück. Auch er komponierte zahlreiche Märsche und Lieder für den Karneval, weswegen ihn die Kölner den "reitenden Mozart" nannten. Robert Fensch starb noch vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Alter von nur 47 Jahren. Auch Fensch war kein gebürtiger Kölner gewesen, er stammte aus Pommern. So waren es ausgerechnet preußische Kapellmeister, zumeisst auch noch von auswärts, welche die kölnische Blasmusiktradition im 19. Jahrhundert maßgeblich mitgestalteten und ausbauten.

 

 

Robert Fensch als Kapellmeister der Blauen Funken.
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